Evelyn Roll hat zu Weihnachten einen DVD-Spieler bekommen. Nun ist sie süchtig und verrät das Popcornrezept für Daheim. "Nie wieder Kino also. Dafür etwas häufiger zur Post. Ein gepflegter DVD-Handel geht so: Man kauft – bei Amazon zum Beispiel – eine gebrauchte DVD für 9 Euro, und verkauft sie, wenn man sie angeschaut hat, für 8 Euro wieder."
Es soll ja auch Leute geben, die sich neue DVDs bei Amazon bestellen und sie wegen einschlägiger Gesetze zum Kauf übers Internet nach vierzehn tagen wieder zurück geben. Und solche, die beim Händler um die Ecke eine DVD kaufen und sie mit den Worten: "Ist kaputt, hackt und rüttelt bei Minute 42!" gegen Geld-zurück nach dem Sehen eintauschen. Aber das ist ja wenigstens mit dem großen Zeh jenseits der Legalität, und deswegen schreiben wir es nicht.
14 Regeln für den Umgang mit Harald Schmidtliefert Christof Weigold in der Süddeutschen. Der ehemalige Autor im Team von Schmidt: "Das ist eine Unterhaltungssendung. Wie es in Ihnen wirklich aussieht, interessiert keine Sau. Merken Sie sich das. Sie spielen eine Rolle und präsentieren das Image, das Sie gerne präsentieren möchten. Alles andere können Sie bei Bio erzählen, wenn Sie zum Thema „Meine schwere Kindheit“ eingeladen sind."
Auf der Suche nach dem Pop-Messias.Worum geht es beim RTL-Talentschuppen „Deutschland sucht den Superstar“? Fragt sich Oliver Fuchs unter der netten Schlagzeile Du bleibst meine Knutschkugel in der Süddeutschen. in Zeiten, in denen es vielleicht gar keine wirklichen Superstars gibt, "fahndet nun ausgerechnet die deutsche Nation, die sich mit Pop immer ein bisschen schwer tat, nach einem Messias." ... "Im Halbfinale stehen sich am 1. März nun also Daniel (17), Juliette (22) und Alexander (19) gegenüber. Keiner von den dreien hat das Potenzial zum echten Superstar, aber jeder ist auf seine Weise ein Talent: Juliette kann singen, Alexander ist lernfähig und Daniel – der bayerische Boy George. Der bisexuelle Kindergärtner hat die Stadt Eggenfelden auf die Landkarte des Pop gesetzt, die offizielle Internet-Seite des Ortes ist jetzt ständig überlastet."
Kurioser Kopf.Montags ist Aufmacher-Tag in der Süddeutschen Zeitung. Heute schreibt Peter Glotz über Walter Dirks. "Seine größte Lebensleistung sind ohne Zweifel die Frankfurter Hefte, die er noch 1945 gemeinsam mit Clemens Münster (in späteren Jahren Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks) und Eugen Kogon gründete. ... Die intellektuell anspruchsvolle Zeitschrift Frankfurter Hefte verkaufte ihre besten Ausgaben kurz nach dem Krieg 75000 Mal. Heute sind für Kulturzeitschriften schon Auflagen von 5000 Exemplaren beachtlich." Schön auch diese Episode: "In die große Politik geriet er [Dirks] 1950, als er seinen berühmtesten Essay Der restaurative Charakter der Epoche schrieb, in dem er Adenauers faulen Frieden mit jenem Teil des Bürgertums angriff, der die Nazis mitgetragen hatte. Adenauer reagierte in der im eigenen genialen Simplizität „Wat der Herr Dirks schreibt, dat is janz falsch.“ Dass Adenauer sich überhaupt zu einer Replik herabließ, zeigt, welch mächtiger Publizist Dirks war."
PS: Warum die SZ immer noch nicht zählen kann, bleibt ihr Geheimnis: Dieses ist die zehnte Folge, weil es schon neun davor gab. Die SZ aber zählt 7, 8, 8, 9...
Bild am Sonntag.Der Große Garten liegt heute mitten in Dresden – doch als er ab 1676 entstand, war er weit vor den Toren der Stadt. Nur eins hat sich im Prinzip nicht geändert: Er ist gut für Lustbarkeiten, die vor 300 Jahren im Palais im Großen Garten stattfanden. Heute ist der Garten ein Paradies für Skater, Spaziergänger, Erholung Suchende.
Großer Garten, Dresden. Aufgenommen am 7.2.2003. Bild: UVS
Tendenz zum Zweitblog.Die einen wähnen das Webloggen in der Sinnkrise, die anderen eröffnen ein zweites (drittes... viertes...) Weblog. Auch dieses hätte man bis vor drei Tagen noch hier gelesen. So isses.
Sie sah es plumpsen.Die Sächsische Zeitung berichtet aus dem Gerichtssal. Es ging um das, was der Hund fallen ließ. Und das Frauchen, so heißt es, sei einfach weiter gegangen, was einer Anwohnerin dermaßen stank, dass sie mit dem Casus vor Gericht zog...
Wetten dassmorgen das Wort erdrutschartig das am häufigsten gedruckte sein wird? Heute verzeichnet es Google 345 Mal. Damit keine(r) den wahren Sinn vergisst, hier der Duden: Erd|rutsch, der: [plötzliche] Abwärtsbewegung großer Erdmassen an einem Hang: die schweren Regenfälle hatten einen E. ausgelöst, verursacht; Ü der Wahlausgang kam einem E. gleich (brachte einschneidende Veränderungen).
Bild am Sonntag.Ganz in weiß wollten Freunde von uns heiraten – mehr oder minder heimlich während des Winterurlaubs in Forstau. Wir waren natürlich dennoch da, um die Frage zu diskutieren, ob und warum Schnee weiß sei. Die beiden Antworten: Wir fanden auf fast allen Bildern in Katalogen, dass Schnee eher blau ist – und danach im Internet die Antwort, warum er weiß sei: Die in den Schneekristallen eingeschlossene Luft bewirkt die weisse Farbe.
Forstau im Salzburger Land, auf der Fageralm. Aufgenommen am 1.2.2003. Bild: UVS
Verheerend.Uwe-Karsten Heye, 62, ist lange Gerhard Schröders Mann für die Presse gewesen. Nun plaudert er in der Süddeutschen Zeitung mit Ingo Fischer einen lesenswerten Beitrag lang, und wir erfahren: "Der Trend geht dahin, alles so schnell und so preiswert wie möglich zu produzieren. Darunter leiden Gründlichkeit und Intellektualität. Oft wird das Gegebene unreflektiert übernommen und nur vordergründig berichtet, statt sorgfältig die Hintergründe zu analysieren. Der Online-Journalismus hat diesen Trend verstärkt. Die Verleger glauben offenbar, den fahrlässig herbeigeführten Qualitätsverlust leicht wieder aufholen zu können, indem später wieder mehr Journalisten eingestellt werden. Aber diese Denkweise ist verheerend."
Bild am Sonntag.Der Markt von Pirna war vor 250 Jahren schon dem Herrn Bernado Bellotto, den sie Canaletto nannten, ein Bild wert. Zwischen 1753 und 1755 malte der Mann aus Venedig im königlichen Auftrag insgesamt elf Veduten und mindestens 15 Repliken. Das schmückt Pirna und hebt es rein bildmotivmäßig auf eine Stufe mit Venedig, Rom, Wien, Warschau und Dresden.
Der Marktplatz zu Pirna sieht heute im Prinzip immer noch so aus wie vor 250 Jahren: mit Rathaus, Marienkirche, dem heute nach dem Maler benannten Canalettohaus und dem Schloss Sonnenstein oben auf dem Elbsandstein.
Canaletto hatte es übrigens einerseits gut: Das Bild entstand im Sommer (kurze Schatten, lockere Kleidung), es gab keine Autos und auch keine störenden Strommasten – und er hatte einen guten Standpunkt erwischt. Eine Digitalkamera mit Weitwinkel hatte er auch nicht, sondern eine Camera Obscura - und mit der konnte er fast so etwas wie ein Panoramabild verzerrungsfrei hinbekommen. Unser Bild entstand aus schlechterer Perspektive, weniger Panorama und bei gefühlten Temperaturen von Sibirien. Aber schön ist es dennoch im Pirna, das sich nach der Flut wieder mächtig bekrabbelt, und im Erdgeschoss des Hauses, in dem Canaletto stand um sein Bild zu malen, ist ein Cafè...
Ach ja: Canaletto hatte es nicht nur gut. Von 13 der 17 Dresden-Veduten sowie von acht der elf Motive aus Pirna schuf er Repliken für den Grafen Brühl. Der war seinerzeit ziemlich mächtig – und zahlte den Künstler nicht aus. Der Versuch Canalettos, die insgesamt 4.200 Taler einzuklagen, blieb erfolglos.
Der Markt von Pirna. Aufgenommen am 25.1.2003. Bild: UVS
Spaghetti of the Week.Die Spaghetti waren heute Penne, und zwar die, die auch Commissario Brunetti am liebsten isst. Nr. 57. Es gab mal wieder Pilze, aber man kann die Sauce ja auch anders zubereiten. Im Schnellverfahren, weil nix kompliziert dran ist: Zwei Zwiebeln würfeln (klein). Zwei Knoblauchzehen würfeln (sehr klein). 250 g Champignons schneiden (dünne Scheiben). Eine Dose (jaja...) Pizzatomaten, so um die 250 g Masse drin, großformatig öffnen.
Und nun Olivenöl in den Topf, Zwiebeln rein, Knobi dazu, rühren und Tomaten druff. Viel Pfeffer aus der Mühle, Salz nach Gewohnheit rein und einen Hauch Zucker. Köcheln lassen und hin und wieer durchrühren, bis die Penne in reichlich Salzwasser gegart sind.
Servieren mit noch mehr frisch geriebenem Parmesan.
Und zum Lunch "Die Achse des Bösen".Wenn es stimmt, dann erklärt sich das Leben mal wieder ganz einfach: Vor dem Lunch, schreibt die Süddeutsche, habe ein kanadischer Redenschreiber des Präsidenten der Vereinigten Staaten (Spezialgebiet: Wirtschaft) Schicksal spielen können in der Weltpolitik. David Frum, so heißt der mittlerweile entlassene Mann, habe da den Auftrag bekomen, für die alljährliche Präsidentenrede zur Lage der Union die Terroranschläge des 11. September mit einem möglichen Angriff auf den Irak zu verbinden. Er tat es - und seitdem gibt es die „Achse des Bösen“, wie Frum im nun erschienenen Buch „The Right Man: The Surprise Presidency of George W. Bush“ (Random House, 25,95 Dollar) schreibt. Was wir davon haben, können wir demnächst erleben.
Der Nachwelt abhanden gekommen.In der SZ-Serie "Aufmacher" schreibt Ijoma Mangold heute über Friedrich Sieburg. Sieburg? Wer is denn ditte? Ein Vergessener: "Dafür, dass er einst als übermächtiger Kritikerfürst gefürchtet war, ist Friedrich Sieburg der Nachwelt ziemlich abhanden gekommen. Von dem Bestsellerautor historischer Monographien ist heute im Handel kein Buch mehr erhältlich. Die – wie der Schriftsteller Alfred Andersch kraftmeierte – „größte und stinkendste Kanalratte in dem, was sich heute , deutsche Literatur‘ nennt“, ist dem kulturellen Gedächtnis entschwunden. ... Als Literaturkritiker im Nachkriegsdeutschland war Sieburg die große Gegenfigur zur Gruppe 47."
Und wer die Folgen 1 bis 6 der Aufmacher-Serie lesen will: Am Ende des Beitrags steht eine Linkliste!
Bild am Sonntag.Ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner ist die Dresdner Heide. Das rund 50 Quadratkilometer große Waldgebiet liegt im Norden der Stadt und nimmt immerhin etwas mehr als ein Fünftel der gesamten Stadtfläche ein! Ein Großteil des "neuen" Dresdens (aus der Sicht von vor einigen Jahrhunderten) gehörte früher zur Heide: Die Antonius-Kapelle lag 1476 noch mitten im Wald – unweit des heutigen Neustädter Bahnhofes! Erst im 19. Jahrhundert wurde der Heller abgeholzt, der Albertstadt fielen ab 1873 Bäume zum Opfer. Auch das Gebiet der Äußeren Neustadt, einst als “auf dem Sande” bezeichnet, war noch bis 1835 weitgehend unbebaut und wurde zur Dresdner Heide gezählt.
Ein sehr schöner Bericht über die "Hayde" stand am 10. April 1879 im Radeberger Tageblatt "Das Echo":
"Die Dresdner Heide, deren Aussehen sich in neuerer Zeit mannigfach gerade für den Dresdner geändert hat (man denke nur an Casernopolis) ist von Osten nach West fast vier Stunden, von Nord nach Süd volle drei Stunden lang. ... Ein Verirren in der Heide ist am Tage nicht gut denkbar für Leute, die sich nur einmal das regelmäßige Netz der neuen Waldwege angesehen haben. Denn während die alten Waldwege vom Mittelpunkt des großen Saugartens vor der Hofewiese bei Langebrück ausliefen und sich in allerlei Richtungen, jedes Beschwernis meidend, wie Schlangen durch die Heide wanden, so ist das neue Netz streng mathematisch angelegt." Alter Baum in der Dresdner Heide. Aufgenommen am 19.1.2003. Bild: UVS
Sage mir wo du wohnst...und ich sage dir, wer neben dir auch im Netz ist. Das ist, in wenigen drögen Worten, die Idee hinter GeoURL ICBM. Geo URL zeigt nämlich alle (ebenfalls mitmachenden) Websites an, die rund um die eigene beheimatet sind – und das ist wörtlich zu verstehen, denn das gute alte Wort homepage bekommt einen ganz neuen, nahezu ursprünglichen Sinn.
Und das geht so: Ich gebe auf meiner eigenen Seite Breiten- und Längenangabe des Ortes ein, an dem ich wohne (oder über den ich schreibe). Wie das geht, beschreibt Martin Röll ausführlich – er empfiehlt Maporama, um die entsprechenden geographischen Koordinaten heraus zu bekommen. Gute Empfehlung: Die Seite Visit Dresden beispielsweise zeigt mit den Koordinaten 51.0541 , 13.7362 auf den Zwinger – für eine Stadtführerin in Dresden eben die zentrale Stelle. Und deswegen ist sie, wie ein Klick in den Geo-URL-Button oben auf dieser Seite zeigt, auf diese Weise meilenweit vom Aufleser entfernt ;-)
Was uns das bringt? Erst mal nur Spaß – aber wenn man den euphorischen Ausführungen des oben verlinkten Herrn Röll glaubt, in eine "spannende" Entwicklung. Wir werden es erleben...
An-ständig.Nun weiß ich, was da gefehlt hat: Harald Schmidt ist wieder da. Mampfend (Schwarzwälder Kirsch von C&W, die haben es verdient) sinniert er über Napoleon, den Kanzler, den Pessimismus, den Bundespräsidenten, den Optimismus – und lässt eine Gegendarstellung verlesen. Welcome back!
Geburtstage zu früh - zu spät.Der Spiegel kommt heute, wo Focus sein Zehnjähriges gut eine Woche zu früh zelebriert, mit einem Glückwunsch in eigener Sache gezielt zu spät: Auf Seite neun gratuliert sich, ganzseitig, der Spiegel in der Süddeutschen: "Die Nr. 1. Der Spiegel hat Geburtstag. Vor 56 Jahren - am 4. Januar 1947 - erschien die legendäre Nummer 1." Weiter hinten, auf der linken Seite 20 mit einer Viertelseite etwas bescheidener: Focus.
Ach ja. Die letzte Zeile der Spiegel-Anzeige: "Geblieben ist die Nummer 1: Die Position als das deutsche Nachrichten-Magazin." Glückwunsch!
Wichtige Quelle zum Alltagsleben.Manchmal ist es gut, dass es Serien gibt. Die in der Süddeutschen über Aufmacher stellt heute Karl August Böttiger vor. Wie, den kennen Sie nicht? Macht nichts, Hermann Unterstöger (auch einer von denen, wo man sich auf die Lektüre freut) stellt die"wichtige Quelle zum Alltagsleben des klassisch- romantischen Zeitalters" vor: "In Goethes Augen war Böttiger einer „der gründlichsten Schufte, die Gott erschuf“ – ein Hammer, wie er heutzutage immer wieder auch den Boulevardjournalisten auf den Kopf fällt. Mittlerweile neigt man dazu, Böttigers Aufzeichnungen als wichtige Quelle zum Alltagsleben des klassisch- romantischen Zeitalters zu nehmen. Die Kollegen vom Fach Klatsch & Tratsch mögen, wenn sie wollen und auch ansonsten Böttigers Format haben, sich daran aufrichten."