Aufgelesen
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Anmerkungen zu Allem
7.1.03
Mittags im Schnee. Die Aktivitäten mittlerer und größerer Firmen rund um die Mittagszeit sind geleitet vom Bedürfnis, gemeinsam satt zu werden. Wenn's schon nicht schmeckt in Kantine, Bistro oder Mensa, dann wenigstens das Leid mit anderen teilen. Unser Team sollte dieses Mal ein lustiger Dreier sein.
Mein Abholer sah also, der widrigen Witterung entsprechend eingemummt, zur Tür hinein und sprach "Wir gehen!" Zur Feier des neuen Jahres war der ausgewählte Ort der Nahrungsaufnahme eine veritable Gaststätte, die bei Studenten und Professoren der Universität gleichfalls beliebt ist - wohl auch, weil sie essbare und preiswerte Speisen sowie günstig Wein und Gebrautes aus der Region anbietet.
Ich also die Daten am Computer gesichert, den Mantel angezogen und raus auf den Flur.
Leer war der.
Also rein ins gegenüber liegende Zimmer, wo die Sekretärin meines Abholers mir versicherte, der Chef sei nicht mehr da, er wolle eben "schnell was essen". Aber ich könnte ja, drucks drucks, als Mann vielleicht mal nachsehen, drucks drucks, ob er vielleicht, drucks drucks.
Ich also aufs Klo, aber auch da war er nirgendwo.
"Die werden wohl vorgegangen sein!" dachte mein Hirn und lenkte den Körper bergauf gen Gaststätte. Schnaubend kam ich an und sah - niemanden. Aber auch gar keinen Menschen. Doch, einen: Die Bedienung. "Meine Leute sind wohl noch nicht da, da gehe ich mal. Vielleicht bis gleich!"
Raus ins Gestöber, ran ans Handy. "Hier ich, aber eigentlich nur die Mailbox! Wenn Sie was zu sagen haben, rufe ich zurück!" Na toll, ich liebe diese Kommunikationsverweigerer. Bergab ist's kälter als zuvor, weil Gegenwind. Begeistert also trabe ich ins Büro, um die eine oder andere Mail abzuarbeiten.
Das Telefon klingelt im Auswärtsgesprächton. "Ja, Mensch, wir sind's! Kommste nach? Wir warten mit der Bestellung!"
Ich rein in den Mantel, raus in den Schnee, rauf den Berg und haste nicht gesehen bin ich da, wo die anderen auch schon sind – sie hatten einen anderen Weg genommen, nachdem ich nicht kam.
Wir haben nett gegessen (Chili con carne), gut getrunken (Shiraz) und sogar Dienstliches besprochen, zu dem man im Büro nie kommt, weil das Telefon immer geht.
Morgen werden wir es wieder so machen – oder ähnlich. Hauptsache: Laufen. Soll ja gesund sein...


Aufgelesen von Ulrich um 14:14
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6.1.03
Schön geforscht. Die Frage ist nicht, ob man studiert und danach weiter forscht, sondern was: Dresdner Bauingenieure werden mit Medizinleistungen motiviert. Martin Voracek von der Universität Wien und Maryanne Fisher von der York University in Toronto haben alle 577 Playboy-Ausgaben bis Dezember 2001 ausgewertet. Und sie stellten fest: Die Models im Playboy sind seit dem ersten Heft des Herrenmagazins im Jahr 1953 knabenhafter geworden und haben immer kleinere Brüste und schmalere Hüften. Während in den fünfziger Jahren vor allem Damen vom Typ Marilyn Monroe den Geschmack der Herren trafen, sind es heute offensichtlich dünne und großgewachsene Frauen wie Kate Moss. Die Ergebnisse erschienen im British Medical Journal, welches sich in seiner Weihnachtsausgabe traditionell auch Themen widmet, "die wirklich von Bedeutung sind".

Aufgelesen von Ulrich um 13:19
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5.1.03
Bild am Sonntag Schlittschuh laufen vor dem Moritzburger Schloss gehört zum beliebten Wintervergnügen der Dresdner. Die Moritzburger Teichlandschaft eignet sich besonders gut, weil die Teiche nach dem Abfischen nicht sehr tief sind und schnell frieren. Und schön ist es auch, zumal rund ums Schloss, das schon für den Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" die Kulisse bildete.

Eislauf vor Schloss Moritzburg. Bild: UVS

Eislauf vor Schloss Moritzburg. Aufgenommen am 26.12.2002. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 21:53
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Komme gleich wieder! Godot. Weil heute vor 50 Jahren Samuel Beckett's "Warten auf Godot" uraufgeführt wurde, schreibt Willi Winkler einen wunderbaren Artikel über Beckett, das Leben und all das. Seine Empfehlung für den Abend: "Und jetzt legen Sie bitte „Aftermath“ von den Rolling Stones auf, stellen den CD-Player auf 11 und hören Sie, wie der noch ganze junge Mick Jagger singt, als wäre er 60 oder 70: „I am waiting/I am waiting/ Waiting for someone to come out of somewhere ..."

Aufgelesen von Ulrich um 21:49
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Telefon (mobil). "Es gibt 80 Millionen Menschen in Deutschland und 60 Millionen Handys. Nur Säuglinge, Taubstumme und Bettlägerige besitzen offenbar (noch) keins." Oliver Fuchs schreibt eine kurze Geschichte des Handys und behauptet in der Süddeutschen: Mein Handy sieht auch dich!

Aufgelesen von Ulrich um 21:48
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Telefon (Festnetz). Wir haben schon immer geahnt, dass der Fortschritt uns zu schaffen macht. Klaus Fischer bringt es in der Süddeutschen auf den Punkt: "Das eigentliche Problem bei ISDN ist der Mittagsschlaf. Man legt sich aufs Sofa, grübelt über Probleme, die keine sind, und sobald man endlich beim Einschlafen ist, schellt das Ding." Der ganze Beitrag ist "Tee mit Matratzen" überschrieben, ist köstlich und steht hier.

Aufgelesen von Ulrich um 21:47
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4.1.03
Hochwasser-geschädigt. Der Anstand und sicherlich auch einige Paragraphen verbieten es, die Reporter des ZDF hirngeschädigt zu nennen. Hochwassergeschädigt aber sind sie. Da stellen sie sich ins Wasser, um live zu berichten - welch ein Unsinn, denn da, wo sie stehen, ist garantiert in einem Meter Entfernung trockenes Land für die Technik. Wozu das Theater: Reporter sollen über die Wirklichkeit berichten und nicht so tun, als seien sie die Macher. Warum einer der Kollegen dann auch noch stolz berichtet, "auf dem Deich tief eingesunken zu sein, so durchnässt ist der", möchte ich gerne wissen: Was hat der da zu suchen: Will er den Deich zum Durchbruch bringen? Investigativer Journalismus ist was anderes, ehrlich!
Vielleicht sollten die Damen un Herren dafür lernen, etwas genauer zu formulieren: "Auch der Osten versinkt wieder in den Fluten!" suggeriert natürlich genau das Falsche: Die Orte in Thüringen, die dann als Beispiel genannt wurden, sind im Sommer überhaupt nicht betroffen gewesen. Ostdeutschland ist doch etwas größer als ein Dorf. Und über Formulierungen wie "Für die Menschen spitzt sich die Nacht zu" können schon nicht einmal mehr Volontäre lachen...


Aufgelesen von Ulrich um 13:13
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3.1.03
Der Freitags-Tucho. Ist schon interessant, wie auch alte Seiten plötzlich überall als Neuigkeiten verkauft werden, obwohl sie offensichtlich seit 2001 nicht mehr bedient werden. Man muss ja nicht auf jeden Hype reinfallen, weswegen wir die Tradition der Originale pflegen und achtzig Jahre alte Texte aktuell finden...

Die Familie

                    Die Griechen, die so gut wußten, was ein
                    Freund ist, haben die Verwandten mit
                    einem Ausdruck bezeichnet, welcher der
                    Superlativ des Wortes 'Freund' ist. Dies
                    bleibt mir unerklärlich.
                                                           Friedrich Nietzsche

Als Gott am sechsten Schöpfungstage alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da. Der verfrühte Optimismus rächte sich, und die Sehnsucht des Menschengeschlechtes nach dem Paradiese ist hauptsächlich als der glühende Wunsch aufzufassen, einmal, nur ein einziges Mal friedlich ohne Familie dahinleben zu dürfen. Was ist die Familie?
Die Familie (familia domestica communis, die gemeine Hausfamilie) kommt in Mitteleuropa wild vor und verharrt gewöhnlich in diesem Zustande. Sie besteht aus einer Ansammlung vieler Menschen verschiedenen Geschlechts, die ihre Hauptaufgabe darin erblicken, ihre Nasen in deine Angelegenheiten zu stecken. Wenn die Familie größeren Umfang erreicht hat, nennt man sie 'Verwandtschaft' (siehe im Wörterbuch unter M). Die Familie erscheint meist zu scheußlichen Klumpen geballt und würde bei Aufständen dauernd Gefahr laufen, erschossen zu werden, weil sie grundsätzlich nicht auseinandergeht. Die Familie ist sich in der Regel heftig zum Ekel. Die Familienzugehörigkeit befördert einen Krankheitskeim, der weit verbreitet ist: alle Mitglieder der Innung nehmen dauernd übel. Jene Tante, die auf dem berühmten Sofa saß, ist eine Geschichtsfälschung: denn erstens sitzt eine Tante niemals allein, und zweitens nimmt sie immer übel - nicht nur auf dem Sofa: im Sitzen, im Stehen, im Liegen und auf der Untergrundbahn.
Die Familie weiß voneinander alles: wann Karlchen die Masern gehabt hat, wie Inge mit ihrem Schneider zufrieden ist, wann Erna den Elektrotechniker heiraten wird, und daß Jenny nach der letzten Auseinandersetzung nun endgültig mit ihrem Mann zusammenbleiben wird. Derartige Nachrichten pflanzen sich vormittags zwischen elf und eins durch das wehrlose Telefon fort. Die Familie weiß alles, mißbilligt es aber grundsätzlich. Andere wilde Indianerstämme leben entweder auf den Kriegsfüßen oder rauchen eine Friedenszigarre: die Familie kann gleichzeitig beides.
Die Familie ist sehr exklusiv. Was der jüngste Neffe in seinen freien Stunden treibt, ist ihr bekannt, aber wehe, wenn es dem jungen Mann einfiele, eine Fremde zu heiraten! Zwanzig Lorgnons richten sich auf das arme Opfer, vierzig Augen kneifen sich musternd zusammen, zwanzig Nasen schnuppern mißtrauisch: »Wer ist das? Ist sie der hohen Ehre teilhaftig?« Auf der anderen Seite ist das ebenso. In diesen Fällen sind gewöhnlich beide Parteien davon durchdrungen, tief unter ihr Niveau hinuntergestiegen zu sein.
Hat die Familie aber den Fremdling erst einmal in ihren Schoß aufgenommen, dann legt sich die große Hand der Sippe auch auf diesen Scheitel. Auch das neue Mitglied muß auf dem Altar der Verwandtschaft opfern; kein Feiertag, der nicht der Familie gehört! Alle fluchen, keiner tuts gern - aber Gnade Gott, wenn einer fehlte! Und seufzend beugt sich alles unter das bittere Joch . . .
Dabei führt das 'gesellige Beisammensein' der Familie meistens zu einem Krach. In ihren Umgangsformen herrscht jener sauersüße Ton vor, der am besten mit einer Sommernachmittagsstimmung kurz nach einem Gewitter zu vergleichen ist. Was aber die Gemütlichkeit nicht hindert. Die seligen Herrnfelds stellten einmal in einem ihrer Stücke eine Szene dar, in der die entsetzlich zerklüftete Familie eine Hochzeitsfeierlichkeit abzog, und nachdem sich alle die Köpfe zerschlagen hatten, stand ein prominentes Mitglied der Familie auf und sagte im lieblichsten Ton der Welt: »Wir kommen jetzt zu dem Tafellied -!« Sie kommen immer zum Tafellied.
Schon in der großen Soziologie Georg Simmels ist zu lesen, daß keiner so wehtun könne, wie das engere Kastenmitglied, weil das genau um die empfindlichsten Stellen des Opfers wisse. Man kennt sich eben zu gut, um sich herzinniglich zu lieben, und nicht gut genug, um noch aneinander Gefallen zu finden.
Man ist sich sehr nah. Nie würde es ein fremder Mensch wagen, dir so nah auf den Leib zu rücken, wie die Kusine deiner Schwägerin, a conto der Verwandtschaft, Nannten die alten Griechen ihre Verwandten die 'Allerliebsten'? Die ganze junge Welt von heute nennt sie anders. Und leidet unter der Familie. Und gründet später selbst eine und wird dann grade so.
Es gibt kein Familienmitglied, das ein anderes Familienmitglied jemals ernst nimmt. Hätte Goethe eine alte Tante gehabt, sie wäre sicherlich nach Weimar gekommen, um zu sehen, was der Junge macht, hätte ihrem Pompadour etwas Cachou entnommen und wäre schließlich durch und durch beleidigt wieder abgefahren. Goethe hat aber solche Tanten nicht gehabt, sondern seine Ruhe - und auf diese Weise ist der 'Faust' entstanden. Die Tante hätte ihn übertrieben gefunden.
Zu Geburtstagen empfiehlt es sich, der Familie etwas zu schenken. Viel Zweck hat das übrigens nicht; sie tauscht regelmäßig alles wieder um.
Irgendeine Möglichkeit, sich der Familie zu entziehen, gibt es nicht. Mein alter Freund Theobald Tiger singt zwar:
                    Fang nie was mit Verwandtschaft an -
                    denn das geht schief,
                    denn das geht schief!
aber diese Verse sind nur einer stupenden Lebensunkenntnis entsprungen. Man fängt ja gar nichts mit der Verwandtschaft an - die Verwandtschaft besorgt das ganz allein.
Und wenn die ganze Welt zugrunde geht, so steht zu befürchten, daß dir im Jenseits ein holder Engel entgegenkommt, leise seinen Palmenwedel schwingt und spricht: »Sagen Sie mal - sind wir nicht miteinander verwandt -?« Und eilends, erschreckt und im innersten Herzen gebrochen, enteilst du. Zur Hölle.
Das hilft dir aber gar nichts. Denn da sitzen alle, alle die andern.

Peter Panter, Die Weltbühne, 12.01.1923, Nr. 2, S. 53 (c) Rowohlt Verlag

Aufgelesen von Ulrich um 12:42
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2.1.03
Nachlieferung. Zum Januar-Kalenderblatt mit alten Bildern aus Norden in Ostfriesland, das gestern hier vorgestellt wurde, gibt es jetzt einen Text. Im Rahmen der Vernetzung der eigenen Seiten allerdings nicht da, wo der Kalender liegt, sondern bei den STIPvisiten, die ja für Reiseberichte und Artverwandtes gedacht sind.

Aufgelesen von Ulrich um 23:31
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Nachahmenswert. Da Eigenlob bekanntlich stinkt, freut sich der Mensch doch über das Lob anderer. Auch wenn der Mann in Dresden wohnt und wir uns sogar einmal schon gesehen haben – der Text ist nicht bestellt. Also bedanke ich mich artig und gelobe, fleißig zu bleiben ;-)

Aufgelesen von Ulrich um 23:30
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Nachtrag. Neujahrswunsch vor dem Brandenburger Tor, gesendet im ZDF: "Frieden und 'nen neuen Fernseher." Das Mädel war blond [sonst habe ich keine kaum Vorurteile ;o)].

Aufgelesen von Ulrich um 23:30
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Der Klager (II)
Ein Mensch, mit keinem Grund zur Klage
als dem der allgemeinen Lage,
klagt trotzdem und auf jeden Fall,
klagt herzlich, laut und überall,
dass jedermann sich überzeugt,
wie tief ihn Not und Sorge beugt.

Wenn er sich nämlich unterfinge,
zu sagen, dass es gut ihm ginge,
so ginge es ihm nicht mehr gut:
Der Neid, der rasche Arbeit tut,
hätt` ihn vielleicht schon über Nacht
um all sein Gutergehn gebracht.
  
Drum hat der Mensch im Grunde recht,
der gleich erklärt, ihm ging es schlecht. 
                                         Eugen Roth


Aufgelesen von Ulrich um 11:24
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Der Klager (I) Der Mann kann klagen: Jürgen Drews verlor viel Geld mit einem geschlossenen Immobilienfonds. Wir lesen es und freuen uns, dass es für raffgierige Steuerhinterziehersparer offensichtlich doch so etwas wie eine heimliche Gerechtigkeit gibt.

Aufgelesen von Ulrich um 11:23
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1.1.03
Konfuzius sprach: "Selbst wenn jetzt ein Weiser an die Macht kommt, wuerde es immer noch eine Generation dauern, bis sein guter Einfluss sich bemerkbar macht." [via bambushain.de]

Aufgelesen von Ulrich um 15:25
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Kalender 2003: Januar Das Januarbild unseres Kalenders mit Bildern aus Norden und der ostfriesischen Umgebung zeigt einen der für die Gegend typischen Bauernhöfe. Der komplette Kalender liegt hier.
Bauernhof in der Westermarsch
Kalender 2003 – Januar. Ein Kalender von UVS

Aufgelesen von Ulrich um 15:16
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Skating Away Die Worte zum neuen Jahr singen Jethro Tull:

Skating Away on the Thin Ice of the New Day

Meanwhile back in the year One --- when you belonged to no-one ---
you didn't stand a chance son, if your pants were undone.
`Cause you were bred for humanity and sold to society ---
one day you'll wake up in the Present Day ---
a million generations removed from expectations
of being who you really want to be.

Skating away ---
skating away ---
skating away on the thin ice of the New Day.

So as you push off from the shore,
won't you turn your head once more --- and make your peace with everyone?
For those who choose to stay,
will live just one more day ---
to do the things they should have done.
And as you cross the wilderness, spinning in your emptiness:
you feel you have to pray.
Looking for a sign
that the Universal Mind (!) has written you into the Passion Play.

Skating away on the thin ice of the New Day.

And as you cross the circle line, the ice-wall creaks behind ---
you're a rabbit on the run.
And the silver splinters fly in the corner of your eye ---
shining in the setting sun.
Well, do you ever get the feeling that the story's
too damn real and in the present tense?
Or that everybody's on the stage, and it seems like
you're the only person sitting in the audience?

Skating away on the thin ice of the New Day.

Und dazu auf dem not so thin ice of the old year:
Dedea und Marike, Mittelteich Moritzburg. Bild: UVS
Schlittschuhlaufen auf dem Moritzburger Mittelteich. Aufgenommen am 26.12.2002. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 15:07
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31.12.02
Same procedure... Hätte ich doch fast vergessen: Dinner for one, heute als flotter Dreier: Zuerst (NDR III) auf platt, aufgenommen 1999 in der Fritz Reuter Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, dann in der in Hollywood nachkolorierten Version (hatte der NDR als besondere Überraschung zum Jahrtausendwechsel gemacht) und schließlich den Klassiker, original schwarzweiß. Und der ist der beste. Für die Jungen unter den Auflesern: Der Text von Dinner For One steht hier. Die Alten kennen ihn ja eh auswendig. Zum Nachlesen dann noch ein wenig Rezepzionsgeschichte: In der Beilage unserer Lieblingszeitung lässt sich Stefan Mayr, der Autor des Lexikons "Dinner for One von A-Z" über interessante Details aus.

Aufgelesen von Ulrich um 16:11
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"Guten Rutsch!" sagte der Mann beim Sandstreuen dem Vorübereilenden. Der drehte sich um, doch statt den Gruß freundlich zu erwidern, fiel er lang hin.
Es ist glatt in Dresden am letzten Tag des Jahres, fünf Zentimeter Neuschnee über Nacht.
DESWEGEN: GUTEN RUTSCH – ABER NUR INS NEUE JAHR!


Aufgelesen von Ulrich um 13:58
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Kalender 2003. "Hoch im Norden bin ich geboren!" sang Udo Lindenberg. Und er hat Recht! Es gibt jedoch nicht nur die Himmelsrichtung Norden, sondern auch eine Stadt, die so heißt. Und da bin ich von weg!
In einem alten Fotoalbum meines Vaters fand ich Bilder aus dem alten Norden und der Küstenstadt Norddeich – und die schenke ich, zum Kalender 2003 verarbeitet, nun allen Leserinnen und Lesern von "Aufgelesen" und den "STIPvisiten". Heute hier: Das Titelbild. Es zeigt einen Segler vor der Küste von Norddeich. Der komplette Kalender liegt hier.
 Segler vor der Küste von Norddeich
Kalender 2003 – Titelbild. Ein Kalender von UVS

Aufgelesen von Ulrich um 13:51
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Tante Emma und die Welt. Als es noch die Kolonialwarenläden gab, in denen Tante Emma oder Oma Frahm Tee aus Dosen und Süßigkeiten aus Blechbüchsen verkauften, fanden die Käuferinnen und Kinder (Männer gingen damals nicht einkaufen) oft Sammelbilder bei den diversen Produkten wie „Liebigs Fleischextrakt“, Zigaretten oder Drogerieartikeln. Über das zu Bildern geronnene Weltgedächtnis berichtet die Süddeutsche: "Knapp 7000 Bilder in 1138 Serien umfasst der Gesamtbestand, der als Band 1 des „Atlas des Historischen Bildwissens“ erschienen ist, eine CD-Rom-Edition des Max-Planck-Instituts für Geschichte, herausgegeben von Bernhard Jussen (The Yorck Project. Gesellschaft für Bildarchivierung mbH, Berlin 2002 , 39,90 Euro)."

Aufgelesen von Ulrich um 13:50
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30.12.02
Wort des Jahres. Die offizielle Entscheidung der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum Wort des Jahres (Teuro) ist langweilig und uninspiriert. Tägliches Zuhören bei jungen und alten Menschen beiderlei Geschlechts ergeben nämlich eine ganz andere Liste.
Das Wort des Jahres ist so, gefolgt von absolut und gefühlt.
Begründung zum Wort des Jahres: Ja, einfach mal die Lauscher aufstellen und hören, dass die Straßen bei einbrechendem Blitzeis (auch so ein Kandidat: Heute ist alles, was friert, Blitzeis. Und wenn der überregional zu recht unbekannte Emmerbach voll läuft, weil es regnet, gibt es im Radio landesweit eine Hochwassermeldung für den Emmerbach bei Amelsbüren) – so, nun ist der Satzanfang verloren, weswegen ich nochmal starte, aber das Gesagte war ja > so < wichtig!
Die Straßen sind bei einbrechendem Blitzeis zu Weihnachten ja > so < glatt gewesen! Und dann sind wir dennoch irgendwie zur Oma gefahren, und da war es > so < gemütlich! Da kamen dann auch die Nachbarn mit der kleinen Claudia, die ist ja > so < niedlich!
Ich merke gerade: Dies ist leider kein Radio, denn beim Wort des Jahres ist die Intonation ja > so < wichtig!
Habe ich da recht?
Absolut!
Ich kann mich natürlich auch irren, und es ist nur eine gefühlte Häufung des kleinen Wörtchens. Dass ich auch immer > so < übertreiben muss...

Aufgelesen von Ulrich um 16:08
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Preuße mit Haltung. Teil IV der SZ-Serie über Vorbilder des Journalismus porträtiert Sebastian Haffner und nennt ihn einen Deuter der Zeit.

Aufgelesen von Ulrich um 15:45
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Anna, Ilse und Bin Laden. Ist vom Wetter die Rede oder vom Terror? Julia Encke glaubt, dass Terror- und Wetterwarnungen die selbe Sprache sprechen und zieht von Sturm-Anna über Regen-Ilse einen weiten Bogen zum Terror und verheißt nichts Gutes: Das Gröbste kommt noch!

Aufgelesen von Ulrich um 15:43
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Lesestoff zur richtigen Zeit. Weihnachtszeit ist Lesezeit, und zwischen den Jahren darf es mal wieder Shakespeare sein – und zwar im Original, denn die Twelfth Night hat bei der Übersetzung historischen Kontext lassen müssen, denn What is the “twelfth night” of this play’s title? Es war die Zeit "of general revelry and mild mayhem, a time when social and sexual mores could be freely flouted. Whether this play was written for performance at just such a Christmas season festival, or whether Shakespeare intended into to have a winter-time setting at all, are matters of scholarly debate. What is more certain, and more important, is that this play draws its inspiration from this tradition, dating from medieval times, of temporary sexual freedom and social release." Man sollte es den Schüler(inne)n verraten, damit sie den Lehrer(inne)n die richtigen Fragen stellen können...

Aufgelesen von Ulrich um 15:38
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Da biste platt. "As de Computer unnereenanner dat snacken anfungen, mussen se sick ok biin Namen nennen könn. Vun weegen welke mit wen snacken wull. Leider güng dat nich mit "Ick kiek di an. Ich drink di too". Daarmit nu nich allns dörcheenannergung, hebbt sick de Lüüd glieks överlecht, dat jeden een Computer siin eegen Namen hebben mutt." Schreibt Werner Kruse auf dem (Kieler) Landesbildungsserver. Seine Erklärungen zu den Themen Chatten, TCP/IP Protokoll, IP-Adressierung, Webadressen und HTML-Dokumente habe ich sofort ausgedruckt und meinem Vater geschickt...
Gefunden hat den Link übrigens das Kellerkind, das täglich wunderbar seriöses Zeugs findet und der restlichen Welt verrät, wo man es sich selbst antun kann: Danke, Ann(e)ke!

Aufgelesen von Ulrich um 15:37
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Zeitlich im Nichts. Die Zeit zwischen den Jahren ist das Vakuum zwischen dem Abmatten nach des einen Jahres Arbeit und dem Aufraffen zu Aktivitäten im nächsten Jahr. Eigentlich ein merkwürdiger Begriff: Zwischen den Jahren. Angeblich kommt er aus dem Kalender-Tohuwabohu, das nach der 1582 von Papst Gregor VIII. initiierten Kalenderreform durch das Nebeneinander zweier konkurrierender Systeme zwar schon den ersten Januar als Jahresanfang kannte – aber die einen hatten den eben reformbedingt eher als die Anderen. Und so lebten evangelische und katholische Christen vor allem in Süddeutschland mehr als 100 Jahre lang nicht nur zwischen Baum und Borke, sondern in der Nachweihnachtszeit auch wirklich zwischen den Jahren.
Mehr über Kalender-Wirrwarr hat Herbert Metz auf einer informativen Seite zusammengetragen (von dort auch zahlreiche weiter führende Links) – und wer sich gerne intuitiv durchs Netz klickt, findet natürlich auch bei der freien Enzyklopädie Wikipedia reichlich Lesestoff.

Aufgelesen von Ulrich um 10:22
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Sonderbar. Neulich in der SonderBar in Begleitung zweier netter junger Damen. Hier die denkwürdige Getränkefolge:
1) Latin Lover
2) Sex on the Beach
3) Orgasm
Da fragt man sich doch, als Vater und über alle Experimente erhabener Caipirinha-Trinker, ob man irgend etwa falsch gemacht hat.

Aufgelesen von Ulrich um 10:21
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24.12.02
Schafft Weihnachten ab! Das Weihnachtsfest bildet einen festen Punkt im Jahresablauf der Unruhe unseres Lebens. Das Fest, das traditionell am späten Nachmittag des 24. Dezember beginnt, erlebt in der Mittags- und Nachmittagszeit des 25. seinen Höhepunkt. Es dauert dann noch bis zum 26. an, aber da weiß kaum noch einer, wie ihm weihnachtlich zumute sein soll. Brauchen wir Weihnachten wirklich? Oder sollten wir den Stressmacher Nummer eins einfach abschaffen? Die folgenden Schilderungen können doch nur zu einem Schluss führen: Schafft Weihnachten ab!
Die Vorboten dieses Festes, das früher einmal christlichen Ursprungs war, erlebt man neuerdings schon im August. Dann stellen die Kaufleute die ersten Stollen in die Läden, drapieren Pfefferkuchen drum herum und wundern sich, dass die Menschheit lieber baden geht als sich die Insignien des Winters ins Heim zu holen. Wer es dennoch tut, ist verraten und verkauft: Der Stollen stammt in der Regel aus anonymer Fabrikproduktion und wird entweder schnell trocken oder war es schon immer: Bäcker, die zum Beispiel in Dresden etwas auf sich halten, fangen erst im Herbst an zu backen, lassen das Backwerk ruhen. Zum ersten Advent kann man den ersten Stollen dann anschneiden.
Die im August beginnende Vorweihnachtszeit ist geprägt durch eine gewisse Endzeitstimmung. Die Menschheit verfällt kollektiv in die Wahnvorstellung, dass die Welt nach dem Höhepunkt der Weihnacht untergeht. Deswegen haben Buchhalter und Controller den sogenannten Kassenschluss erfunden. Bei staatlichen Organisationen rückt der jedes Jahr ein wenig mehr Richtung August, derzeit ist die "Alle-Rechnungen-müssen-bei-uns-sein-und-ob-ihr-danach-noch-arbeitet-ist-mir-doch-egal"-Linie rund um den 5. Dezember zu finden. Dem staatlichen Vorbild folgend erfinden Firmen aller Rechtsformen das Geschäftsjahr mit ähnlichen Gebräuchen.
Früher Kassenschluss und späte Feststellung, dass nach allen Unkenrufen nun doch irgendwo "noch Geld da" sei und möglichst ausgegeben werden müsse, weil es sonst "verfalle", führt bei weniger straff organisierten Unternehmen zu einer plötzlichen Aufragsflut, die zwar abseh-, aber nicht abwendbar ist. Der Kassenschluss ist mitnichten der Zeitpunkt zur Abgabe der Arbeit, es reicht wenn zum Fest alles wirklich fertig ist. Mit der Rechnung kann ja irgendetwas eingereicht werden, was dem gewünschten nahe kommt und der Rechnung beigelegt werden kann. Bis dann gezahlt ist, wird das richtige Produkt schon so weit sein (es darf nur keiner zwischendurch verschwinden).
Die Eiligen vom Advent haben jedoch nicht nur wegen Restgeldbeständen in Budgets so viel zu tun, denn in den letzten Tagen vor Weihnachten müssen alle Firmen, Abteilungen, Gruppierungen, Teams, Kollektive sich ganz dringend zu einer Weihnachtsfeier treffen. Diese Veranstaltungsreihe zur Förderung des Umsatzes in der Gastronomie ist immer sehr lustig und hat in der Regel zwei Höhepunkte: Der eine ist die Verlesung von Gedichten und Geschichten, die immer sehr lustig sind. Der andere ist das so genannte "Wichteln", bei der alle inständig beten, nicht das selbst eingebrachte Geschenk im Wert von bis zu 5 Euro zu erhalten.
Nach der Weihnachtsfeier sind die Nachbesprechungen in morgendlichen Kafferunden schon deswegen nicht mehr das, was sie vorher einmal waren, weil immer wieder jemand Anlass zur Verärgerung gab. Das nun aufkommende Problem ist: Wie reden wir drüber, so dass er (sie) es nicht mitbekommt? Die Lösung dieser stressigen Frage verkürzt im Dezember zwar manchen Arbeitstag auf angenehmste Weise, führt aber auch nicht gerade zur ruhigen und besinnlichen Vorweihnachtszeit.
Nun könnte ja nach Feierabend oder an den freien Wochenenden vor dem Weihnachtsfest stimmungsvolle adventliche Ruhe einkehren. Tut es aber nicht. Wir müssen nämlich einkaufen, und zwar Geschenke für Eltern, Kinder, Geschwister, Freunde und Kollegen. Nur: Die haben doch alle schon alles! Wie viele Menschen schwärmen aus, Gutes zu tun – und tun es nur sich selbst, indem sie bei der angestrengten Suche nach dem Frust des Nichtfindens sich eine chicke Handtasche, ein paar Schuhe (die Frauen) sowie eine niedliche kleine Digitalkamera oder den tollen kleinen MP3-Spieler (die Männer) gönnen. Dank dieser Konstellation leben sowohl die Lederwaren- wie die Männerspielzeugindustrie – und durch spontane Geschenkbesorgungen in Sockengeschäften, Krawattenläden und Parfümerien kommt es letztendlich doch noch zu Freude allerorten.
Da das Schenken so anstrengend ist, wälzen wir uns zur Erholung über den Weihnachtsmarkt. Glücklicherweise gibt es davon in jeder mittelgroßen Stadt mittlerweile so viele, dass keine Langeweile aufkommt, und der jährliche für Bürger über 18 verpflichtende Glühweintest erledigt dann den Rest.
Die Geschenke, vom Einpackservice individuell drapiert, liegen nach Empfängern getrennt in Tüten im Schlafzimmerschrank – doch Ruhe mag nicht einkehren. Wir müssen nämlich noch für die Festtage einkaufen. Halb Deutschland scheint Heiligabend Bockwürste zu essen, die andere Hälfte Frankfurter. Wer sich in diesen beiden Hälften nicht wiederfindet, ist kein Deutscher und darf am ersten Weihnachtsfeiertag zur Nachprüfung. Da darf es dann gerne eine Gans sein, vornehmlich mit Rotkohl (andernorts: Rotkraut) und Knödeln serviert. Es gibt auch weniger schmackhafte Varianten, aber wer damit ankommt, fällt durch.
Der Einkauf dauert zwei Stunden ohne Fahrzeit, die nochmals mit drei Stunden zu Buche steht. Die Summe in Euro ist zu hoch, und zu Hause stellt man fest, dass eine wesentliche Zutat vergessen wurde. Der Kühlschrank allerdings fasst die Zutaten sowieso nicht, weswegen das Schlafzimmer als kältester Raum zur Speisekammer umfunktioniert wird und Vatter morgens schlaftrunken über die Gans stolpert und in die Sahnetöpfchen tritt.
Einen Höhepunkt bei der Vorbereitung des Festes erleben wir zweifelsohne am 24. Dezember. Der Baum muss geschmückt werden. Dazu wird das teure Stück, das bis zu diesem Moment im klassisch eng anliegenden Netzkleid eine Nebenrolle spielte, zum Hauptakteur. Ein gekonnter Schnitt – und mit einem Schlag offenbar sich das ganze Elend: Unten herum am Stamm zu dick ("wie soll das denn bitte in den Ständer passen?"), in der Mitte vorne ausladend und hinten etwas schwach auf der Brust, wenn dieses schiefe Bild einmal gestattet sei. Ein typisch partnerschaftlicher Disput an dieser Stelle lässt die wahre Vorfreude aufs Fest aufkommen, die nur noch durch die Lösung der Frage vergrößert werden kann, welche Farbe die Kugeln dieses Jahr haben sollen ("Lila? Nicht mit mir, das sage ich dir: Nicht mit mir!").
Den Rest des Tages kann man nicht besser beschreiben als mit "Warten aufs Christkind". Fernsehen, Kaffee trinken, in die Kirche gehen – wobei der Besuch im Gotteshaus vielleicht bei der Lösung der Frage hilft, was denn eigentlich am 24. 12. gefeiert wird? Die entsprechenden Antworten einer TV-Umfrage ("Adam und Eva sind da geboren" oder, schon besser: "Jesus!" – allerdings mit der Nachfrage "wann?" und der Antwort "Na, so 1902!") lassen allerdings vermuten, dass die vielen Kirchgänger nicht wirklich wissen, was sie da tun.
Am Abend, der ja eigentlich der "Heilige" ist, gibt's die erwähnten Würste und fast immer ein schlechtes Fernsehprogramm, was aber dennoch angesehen wird.
Der 25. Dezember ist Gänsebratentag mit Familienaustauschprogrammen. Der Gänsebraten regt wie jedes Jahr zur Diskussion an, ob der Vogel kross genug gebraten sei und auch genug Fleisch habe. Einigkeit wird dabei selten erzielt, wobei im Sinne des Familienfriedens auch die Variante denkbar ist, sich zu einigen auf das Argument, dass diese ausländische Tiefkühlware einfach nicht vergleichbar ist mit den frischen Gänsen von Bauer Horst.
Am Nachmittag kommen Oma und Opa, Schwager Bernd mit Schwester Gabi und den beiden dreijährigen Zwillingen. Der Nachmittag hat zwei Chancen: Er kann sich gut entwickeln zum Naschmittag mit Keksen, Kuchen, Stollen, Pralinen und, weil das ja sonst kein Mensch aushält und allein verdaut, einem Cognac. Wenn es so läuft, ist es ein netter Nachmittag. Andererseits besteht aber auch eine große Chance, dass die Kinder plärren, Bernd sich mit der Schwiegermama in die Haare bekommt und diese leidige lila-Weihnachtskugel-Frage im Zusammenhang mit dem krüppeligen Weihnachtsbaum noch einmal thematisiert werden.
Die Schneefallwahrscheinlichkeit zu Weihnachten beträgt zehn Prozent – die Familiendisharmoniewahrscheinlichkeit eher neunzig. Es spricht allerdings für das kumulative schauspielerische Geschick der Menschen draußen im Lande, dass sie sich mit den Worten verabschieden, wie nett es mal wieder gewesen sei und man doch im nächsten Jahr so ein tolles Familienfest baldmöglichst wiederholen sollte.
Oder besser so nicht?


Aufgelesen von Ulrich um 14:52
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London bei Nebel. Eine nette Idee hatte Stefan Klein: Er fuhr, angeregt durch den Roman "Tunnel Vision" (deutsch: "Auf ganzer Linie") von Keith Lowe durchs U-Bahn-Netz Londons. Das Ziel: Alle Stationen an einem Tag einmal anzufahren. Ob er's geschafft hat? Steht am Ende des Artikels. Auf jeden Fall werde ich mir die Idee für den nächsten London-Besuch vormerken - nie war der Spruch "Der Weg ist das Ziel" dann wahrer!

Aufgelesen von Ulrich um 14:44
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Werner Höfer ist jetzt eine Frau... und andere Erkenntnisse über Talkshows serviert uns meine Lieblingszeitung in einem besinnlichen Gespräch zwischen Willi Winkler und Harald Schmidt. Aus der Serie über 50 Jahre Fernsehen. Und da wir gerade auf der Medienseite sind: Die schönste Zeile des Tages steht auch da, unter einem Bild sowie in einem Beitrag von Hans Hoff: "Violinist Rieu: Klang gewordene Streichwurst."

Aufgelesen von Ulrich um 14:44
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23.12.02
Aufmacher SJ. Wie schön, dass auch die Schreiber über vorzügliche Schreiber gut schreiben können: Michael Jürgs über den Scharfschützen des Wortes, Siegfried Jacobson - Teil drei der Serie über Vorbilder des Journalismus.

Aufgelesen von Ulrich um 13:51
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Thema Nummer eins. Es geht also ums Essen. Die Süddeutsche präsentiert Filetstücke für das Weihnachtsfest und lässt den Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt von der Schwarzwaldstube (Deutschlands bestem Restaurant) gegen den VW-F&E-Betriebsrestaurantchef Karsten Quitteck antreten, Menüs für unter zehn Euro pro Person zu kreieren. Naja, und wo wir dabei sind, gleich ein wenig schamlose Eigenwerbung: Im hauseigenen Advenskalender geht's heute auch ums Essen...

Aufgelesen von Ulrich um 13:50
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22.12.02
Bild am Sonntag. Sonnenaufgang im Bahratal. Der ansonsten eher etwas verschlafene Grenzübergang nach Tschechien war nach der Flut in Dresden der einzige in der Nähe der Landeshauptstadt, der für PKW und Fußgänger noch offen war. Schade, dass ihn nun so viele kennen, war sonst immer ein Geheimtipp ;-)
Sonnenaufgang im Bahratal. Bild: UVS
Sonnenaufgang im Bahratal. Aufgenommen am 30.9.2002, 7:35 Uhr Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 12:12
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20.12.02
Ratespiel: Wer betreibt Heiligendamm? Immobilienteile der Zeitungen werden gerne, damit sich auch andere als Spekulateure und Anleger dorthin verirren, mit redaktionellen Beiträgen begonnen. Die Süddeutsche schreibt über Heiligendamm ("Schon fast eine Punktlandung"), das eigentlich zum Jahreswechsel eröffent werden sollte. nun wird es wohl Frühjahr, was der Projektleiter so normal findet, dass er von der in der Überschrift zitierten Punktlandung spricht. Es werden in dem Beitrag auch viele Hotelbetreiber genannt - nur nicht der, der Heiligendamm in Schwung bringen soll: Es ist Kempinski – aber von deren Seite kommt man ja auch nicht ohne Weiteres hier hin (weil Heiligendamm noch kein Hotel, sondern ein Projekt ist...)!
[Update] Es ist doch ein Hotel, auch auf der Website - ich bin nur im Alphabet nicht fit und hatte es nicht gefunden ;o) Gut, dass meine LeserInnen lesen können und alles kritisch prüfen!

Aufgelesen von Ulrich um 16:03
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Fernsehgeschichte. Jugenderinnerungen werden wach - dass es so weit einmal kommen könnte! Und wer erinnert? Hans Hoff bei Folge 2 der SZ-Serie 50 Jahre Fernsehen. Diesmal geht's um Unterhaltungssendungen wie EWG, Der goldene Schuß oder Vergißmeinnicht (letztere aus der Zeit, wo die Postleitzahlen im Westen noch vierstellig waren...)

Aufgelesen von Ulrich um 15:51
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Radiotipp. Unsere Lieblingszeitung weist darauf hin, dass im Deutschlandradio Berlin um 19.05 Uhr eine hörenswerte Sendung – na was wohl? richtig: zu hören ist. "Seifenblasen oder Wie Kurt Tucholsky ein Drehbuch schrieb".

Aufgelesen von Ulrich um 15:45
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Der Freitags-Tucho. Zum Ferienbeginn eine warnende Geschichte, an der wir wieder einmal sehen können: Die Zeiten ändern sich – aber nicht die Menschen...
Frauen sind eitel. Männer? Nie -!

Das war in Hamburg, wo jede vernünftige Reiseroute aufzuhören hat, weil es die schönste Stadt Deutschlands ist - und es war vor dem dreiteiligen Spiegel. Der Spiegel stand in einem Hotel, das Hotel stand vor der Alster, der Mann stand vor dem Spiegel. Die Morgen-Uhr zeigte genau fünf Minuten vor einhalb zehn.
Der Mann war nur mit seinem Selbstbewußtsein bekleidet, und es war jenes Stadium eines Ferientages, wo man sich mit geradezu wollüstiger Langsamkeit anzieht, trödelt, Sachen im Zimmer umherschleppt, tausend überflüssige Dinge aus dem Koffer holt, sie wieder hineinpackt, Taschentücher zählt und sich überhaupt benimmt wie ein mittlerer Irrer: es ist ein geschäftiges Nichtstun, und dazu sind ja die Ferien auch da. Der Mann stand vor dem Spiegel.
Männer sind nicht eitel. Frauen sind es. Alle Frauen sind eitel. Dieser Mann stand vor dem Spiegel, weil der dreiteilig war und weil der Mann zu Hause keinen solchen besaß. Nun sah er sich, Antinous mit dem Hängebauch, im dreiteiligen Spiegel und bemühte sich, sein Profil so kritisch anzusehen, wie seine egoistische Verliebtheit das zuließ . . . eigentlich . . . und nun richtete er sich ein wenig auf - eigentlich sah er doch sehr gut im Spiegel aus, wie -? Er strich sich mit gekreuzten Armen über die Haut, wie es die tun, die in ein Bad steigen wollen . . . und bei dieser Betätigung sah sein linkes Auge ganz zufällig durch die dünne Gardine zum Fenster hinaus. Da stand etwas.
Es war eine enge Seitenstraße, und gegenüber, in gleicher Etagenhöhe, stand an einem Fenster eine Frau, eine ältere Frau, schiens, die hatte die drübige Gardine leicht zur Seite gerafft, den Arm hatte sie auf in kleines Podest gelehnt, und sie stierte, starrte, glotzte, äugte gerade auf des Mannes gespiegelten auch. Allmächtiger. Der erste Impuls hieß den Mann vom Spiegel zurücktreten, in die schützende Weite des Zimmers, gegen Sicht gedeckt. So ein Frauenzimmer. Aber es war doch eine Art Kompliment, das war unleugbar; denn wenn jene auch dergleichen vielleicht immer zu tun pflegte - es war eine Schmeichelei. »An die Schönheit.« Unleugbar war das so. Der Mann wagte sich drei Schritt vor.
Wahrhaftig: da stand sie noch immer und äugte und starrte. Nun - man ist auf der Welt, um Gutes zu tun . . . und wir können uns doch noch alle Tage sehen lassen - ein erneuter Blick in den Spiegel bestätigte das - heran an den Spiegel, heran ans Fenster!
Nein. Es war zu schéhnierlich . . . der Mann hüpfte davon, wie ein junges Mädchen, eilte ins Badezimmer und rasierte sich mit dem neuen Messer, das glitt sanft über die Haut wie ein nasses Handtuch, es war eine Freude. Abspülen (»Scharf nachwaschen?« fragte er sich selbst und bejahte es), scharf Nachttischen, pudern . . . das dauerte gut und gern seine zehn Minuten. Zurück. Wollen doch spaßeshalber einmal sehen -.
Sie stand wahr und wahrhaftig noch immer da; in genau derselben Stellung wie vorhin stand sie da, die Gardine leicht zur Seite gerafft, den Arm aufgestützt, und sah regungslos herüber. Das war denn doch - also, das wollen wir doch mal sehen.
Der Mann ging nun überhaupt nicht mehr vom Spiegel fort. Er machte sich dort zu schaffen, wie eine Bühnenzofe auf dem Theater: er bürstete sich und legte einen Kamm von der rechten auf die linke Seite
des Tischchens; er schnitt sich die Nägel und trocknete sich ausführlich hinter den Ohren, er sah sich prüfend von der Seite an, von vorn und auch sonst . . . ein schiefer Blick über die Straße: die Frau, die Dame, das Mädchen - sie stand noch immer da.
Der Mann, im Vollgefühl seiner maskulinen Siegerkraft, bewegte sich wie ein Gladiator im Zimmer, er tat so, als sei das Fenster nicht vorhanden, er ignorierte scheinbar ein Publikum, für das er alles tat, was er tat: er schlug ein Rad, und sein ganzer Körper machte fast hörbar: Kikeriki! dann zog er sich, mit leisem Bedauern, an.
Nun war da ein manierlich bekleideter Herr, - die Person stand doch immer noch da! -, er zog die Gardine zurück und öffnete mit leicht vertraulichem Lächeln das Fenster. Und sah hinüber.
Die Frau war gar keine Frau.
Die Frau, vor der er eine halbe Stunde lang seine männliche Nacktheit produziert hatte, war - ein Holzgestell mit einem Mantel darüber, eine Zimmerpalme und ein dunkler Stuhl. So wie man im nächtlichen Wald aus Laubwerk und Ästen Gesichter komponiert, so hatte er eine Zuschauerin gesehen, wo nichts gewesen war als Holz, Stoff und eine Zimmerpalme.
Leicht begossen schloß der Herr Mann das Fenster. Frauen sind eitel. Männer -? Männer sind es nie.

Peter Panter, Vossische Zeitung, 28.09.1928. (c) Rowohlt Verlag


Aufgelesen von Ulrich um 15:41
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17.12.02
Samstag der Vierzehnte. Den Freitag hatte ich gut überstanden, obwohl er auf einen 13. fiel. Für den Samstag gab es eine Verabredung mit Martina – zu einer für beide ungewohnten Zeit: halb neun. Aber wer umzugsbedingt am Vortage des dritten Advent zu IKEA müssen will, um die Küche zu komplettieren, kann gar nicht früh genug auf den Beinen sein.
Ich stand also um kurz nach sieben auf, holte die wegen schwindender Anzeigen nicht mehr ganz so dicke Süddeutsche aus dem Briefkasten, setzte einen 3-Tassen-Kaffee auf und schickte das am Vorabend gekaufte Mohnbrötchen durch den Minibackofen, damit es Frische vorgaukele.
In der Zeitung stand viel drin. Ich amüsierte mich köstlich bei Herbert Riehl-Heyse und seiner Reportage zum Thema 50 Jahre Deutsches Fernsehen, fand Erschreckendes zur Freiheitsberaubung im Internet, lernte kühne Erfinder und getriebene Dilettanten kennen und musste mich wundern, dass es in Detmold ein art kite museum gibt.
Um neun Uhr klingelt das Telefon, und dank moderner Technik im engen Zusammenspiel mit individueller Programmierung stand auf dem Display "Martina". Ich hob ab und sagte begrüßungslos nur einen Satz: "Martina, ich habe dich total vergessen und gemütlich gefrühstückt. Ich komme jetzt sofort!" Martina berichtete mir später im Auto, dass sie dank meines Nichtkommens habe Staub wischen können und dafür sehr dankbar sei.
Der Einkauf fluppte wie nüscht: Keine Schlangen am Küchenteilebestellcomputer und an der Kasse. Es passte sogar alles ins Auto, wir mussten wegen eines halben Zentimeters Kistenüberstand nur zweimal wieder auspacken und alles neu sortieren.
Auch Teil eins des Zusammenbaus in der Mittagszeit ließ keine Wünsche übrig: Alles passte, nichts blieb übrig, nichts fehlte. Um zwei trennten sich unsere Wege, denn es gab andere Termine. Wir verabredeten uns auf den Abend, um bei einem Gläschen Rotwein weiter zu basteln und die Küche ihrer Vollendung näher zu bringen.
Weil es ja Wochenende war, kam ich nicht allein, sondern mit Frau und Rotwein aus dem Weinkeller. Vernünftig wie wir meistens nicht sind, begannen wir den Zusammenbau der Schubladen vor dem Rotweinschwatz. Die erste fügte sich wie aus dem Bilderbuch zusammen, die zweite habe ich verkrüppelt: Falsche Blende! Da hätte die kleine hin gemusst und nicht die große. Was mit einem "Click" wunderbar zusammen geflutscht war, musste nun wieder getrennt werden. Das kommt aber in der Zusammenbaubilderanleitung nicht vor. Also beraumten wir, drei Studierte mit je zwei linken Händen, eine Debattierrunde mit Rotwein an, um diesen nicht vorgesehenen Job zu bewältigen. Es war kurzweilig und klappte nach drei Anläufen sofort. Im großen Tohuwabohu auseinander genommener zweier Schubladen gelang es mir dann, die andere Schublade zusammen zu bauen, und zwar wieder falsch: Da hätte die große Blende hin gepasst, aber nicht die Kleine. Lachend griffen wir zum Wein: Wir wussten ja nun, wie man das alles wieder auseinander friemelt!
Nun aber aufgepasst! Alle Teile des dritten Anlaufs passten zusammen – zumindest laut Anbauanleitung. Aber während es links vorschriftsmäßig "Click!" machte, wollte der Nippel rechts nicht einrasten. Kein Grund auszurasten: Wir wussten ja, wie man das macht: Rotwein nachschenken, ein Schlückchen nehmen und mit dem Schraubenzieher einerseits und etwas Gewackel andererseits die Holzverkleidung aus dem Seitenteil rappeln.
Irgendwie klemmte es, aber wo ein Wille ist und die Erfahrung vorhergehender Versuche, da sollte doch...
...Ich hatte die Schublade in der Hand, ohne das Clickteil. Die Schrauben aus dem Holz gebrochen, der Steckmechanismus fest im Seitenteil verclickt, Wir sahen uns an, mit Blicken zwischen Verzweiflung und Amusement ob der praktischen Veranlagung dreier Geistesgrößen.
Aus den Restbestandteilen des Küchenschubladenbastelsets veruchten wir erneut eine Schublade herzustellen. Wie verhext wollte es auch hier rechts nicht rasten. Wir entfernten sanft (ja ja) links das Geclickte, tauschten rechts Seitenteil und Clicker – Ergebnisse negativ.
"Lass man gut sein, wir gehen das einfach umtauschen!" befand Martina, setzte sich aber hin, um den Mechanismus genauer anzusehen. Das war als ob ich in den Motor meines Autos sehe: Was da warum was macht, bleibt mir immer ein Rätsel. Irgendwann saßen wir alle nicht mehr auf dem Fußboden, sondern am Tisch. Rotwein ohne fertige Küche schmeckt dennoch gut. Wir plauderten in den Sonntag hinein, gähnten Goodbye und verabredeten uns locker für Montag zum Umtausch ("oder schlimmstenfalls Neukauf") bei IKEA.
Montag am Morgen. Das Handy signalisiert eine SMS. Martina schreibt: "Hallo Uli. Du wirst es nicht fassen! Mein Schrank ist aufgebaut mit allem Drum und Dran! Danke Dir schon mal. Liebe Grüße Martina"
Natürlich war es eine gute Freundin, die es am Sonntag geschafft hatte. Sogar die ausgerissenen Schrauben fanden Halt. "Mach Dir nichts draus!" versuchte Martina mich zu trösten – "sie war halt frischer, und es gibt manchmal so Tage, wo nix klappt..."


Aufgelesen von Ulrich um 07:35
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16.12.02
Journalistin, Autorin, Pazifistin. Im zweiten Teil der Serie über bedeutende Journalisten ist eine Frau dran: Bertha von Suttner, "deren Leben als Operette begann und als griechisches Drama endete. Bertha Sophia Felicita Gräfin von Kinsky von Chinc und Tettau wird geboren, als der greise Vater, ein Feldmarschall, gerade verstorben ist. Die Mutter bringt das Erbe in Europas Spielbanken durch. Fünf Mal Pech für die schöne Tochter: Sie hat kein Geld, umstandesgemäß zu leben. Sie gilt nicht als präsentabel vor Wiens Kaiserthron, denn 16 adelige Vorfahren fehlen ihr zu Hoffähigkeit. Zwei Heiratskandidaten laufen davon, einer stirbt vorher. Was soll da noch kommen?"

Aufgelesen von Ulrich um 19:02
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Noch selber gelebt. Artikel von Herbert Riehl-Heyse sind eigentlich immer lesenswert, doch der über 50 Jahre Deutsches Fernsehen gehört in die Abteilung "Ausschneiden, Sammeln!" – zumal sich da wieder eine Serie anbahnt. Kleine Leseprobe für die Jüngeren, die die Zeit aus den Kinderschuhen der Glotze nicht erlebt haben: "Es waren das nämlich die Jahre, in denen die politischen Fernseh-Magazine, inklusive dem ZDF-Magazin des Gerhard Löwenthal, der Nation ihren Gesprächsstoff lieferten; die Jahre auch, in denen mit der Fernseheinrichtung Schillerscher Dramen Kulturgeschichte geschrieben wurde, und in denen die kleinsten Tabubrüche das Publikum genauso verunsicherten wie die Fernsehleute selbst. Als zwei Schwule einander küssten in Wolfgang Petersens Fernsehspiel Die Konsequenz, wandelte der Bayerische Rundfunk kollektiv am Rande des Herzinfarkts; und als sich eine Dame namens Helga Götze live – und heftig für die freie Liebe plädierend – in einer Talkshow ihrer Bluse entledigte, kämpfte halb Deutschland mit seiner Erregung."
Ach ja: Folge 1 der Serie porträtiert Hans Abich, ein Fernsehmacher der ersten Stunde, der nun im Schwarzwald lebt, wo "man nun im Fernsehen sehen kann, wie die Leute vor hundert Jahren gelebt haben. Als Abich jung war, hat man noch selber gelebt."

Aufgelesen von Ulrich um 19:02
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Die Überschrift des Tages liefert die Süddeutsche: Auch ein Papst liebt seine Kinder ist ein lesenswerter Beitrag von Willi Winkler zu einer Ausstellung in Rom über die unheilige Familie der Borgia überschrieben. Vielleicht also doch besser nach Rom als nach Detmold reisen? Oder beides?

Aufgelesen von Ulrich um 19:00
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Kühne Erfinder und getriebene Dilettanten. Im art kite museum in Detmold zeigt eine Ausstellung Pläne und Modelle von Fluggeräten, die nie gebaut wurden. Luftwürmer und andere Hirngespinste betitelt die Süddeutsche die Ankündigung zur Ausstellung, die richtig Lust auf einen Besuch in Detmold macht...

Aufgelesen von Ulrich um 18:59
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Freiheitsberaubung. Die siebte Folge über das Internet in der Süddeutschen beginnt harmlos - durchhalten! Denn im letzten Drittel wird deutlich gesagt, was auf uns zukommt: "Ab Herbst 2003 könnte man vermutlich praktisch alle Festplatten, Hauptplatinen, CD- und DVD- Laufwerke mit dem Mikrochip ausstatten, der jeden Datenfluss auf die digitalen Wasserzeichen hin kontrolliert, die Schlüssel abfragt und bei fehlender Legitimation unterbindet. Dem Etikett „TCPA approved“ auf den Geräten dürfte kaum jemand Beachtung schenken. Erst wenn die TCP-Alliance sich ihres Monopols sicher ist, wird der Schlüsselverwaltungscomputer eingeschaltet und die Nutzung aller Werke ohne die Einzellizensierung unterbunden werden."

Aufgelesen von Ulrich um 18:50
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15.12.02
Bild am Sonntag. Die Geschichte der Gans unter besonderer Berücksichtigung ihrer Beliebtheit zur Advents- und Weihnachtszeit ist das Thema einer bislang noch nicht geschriebenen Dissertation. Reinhard Lämmel, bibliophiler Koch und Gastrosoph, hat im Jahr 2000 auf der Menükarte des damals von ihm betriebenen Restaurants Königliche Schlossküche Weesenstein erklärt, wie es zum Martinsgans-Essen kam – und siehe da, eigentlich ist alles ganz einfach: "Zu dieser Zeit war ja ohnehin Gänsesaison, und dieser Vogel gehörte seit Urzeiten zu den Leckerbissen unserer Vorfahren. Sind Gänse 6 bis 8 Monate alt, hat deren Fleisch den besten Geschmack." Und in seinem Buch "Ein guter Sachs' will genießen – nicht prassen…" verrät er das ultimative Rezept für Gänsefett-Bemmchen
Auf dem Weg in eine gewisse Zukunft. Bild: UVS
Gänse haben zur Adventszeit den besten Geschmack. Diese nicht. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 11:54
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13.12.02
Hemd entflogen. Diese Geschichte ist nicht lustig. Und sie ist wahr.
Die Geschichte beginnt im Sommer auf einer Dachterrasse. Sie ist in einen Dachseitenflügel eingebaut und zur Hälfte geöffnet. Die reizenden Bewohner der zur Terrasse gehörenden Wohnung nutzen sie, weil arbeitend, zumeist abends und, natürlich, am Wochenende. In der übrigen Zeit ist die terrasse mal dies, mal das, darunter häufig auch Wäschetrockenplatz. Die Hemden baumeln, weil die Frau des Hauses das so will, an der Dachrinne. Der Hängemechanismus ist einfach: Ein Fleischerhaken hängt an der Rinnne, ein Bügel am Fleischerhaken, das Hemd trocknet am Bügel. Der Herr des Hauses hatte im Sommer mehrfach bedenken wegen der "manchmal bedenklichen und starken Thermik" geäußert, die mit Erfahrungswerten ("Ist denn schon jemals was passiert?") entkräftet wurden.
Ende des ersten Aufzugs.
Der Geschichte zweiter Teil spielt gestern. Es ist kalt in Sachsen. Hemden hängen auf der Terrasse und frieren in wenigen Minuten zum Brett. Das ist der gewünschte Effekt, den man bei Erbsen und Kaffee glaube ich "gefriergetrocknet" nennt und der dort als Qualitätsmerkmal gilt. Die Hemden hängen eiskalt auf der Terrasse auf dem Bügel am Fleischerhaken an der Dachrinne und baumeln im Wind. Die Frau des Hauses ist zufrieden und geht ihrer Dinge.
Ende des zweiten Aufzugs.
Dritter Teil, das Drama beginnt. Und zwar mit der Minute, wo die Hemden eingesammelt und der Bügelverwertung zugeführt werden sollen. Da stellt die Hemdeneinsammlerin nämlich fest, dass eins fehlt. Mitsamt Bügel und Fleischerhaken. Nein, einfach runtergefallen ist es nicht. Eine Runduminspektion der in nahezu alle Himmelsrichtungen zeigenden Schrägen der verwinkelten Dachlandschaft ergibt auch kein positives Ergebnis: Nirgendwo kein Hemd. Treppab spurtet die Frau des Hauses, sich der immer wieder zum Vortrag gebrachten thermischen Bedenken durch Herrn des Hauses eingedenk. Sein Lieblingshemd, ausgerechnet! Gone, with the wind. Eine site inspection blieb erfolglos, ebenso der Besuch aller in Frage kommenden Mieter nebst Besichtigung derer Balkone unterhalb (was bei einer Dachwohnung ja nahezu alle sind).
So sind nun fort: Hemd, Bügel, Fleischerhaken. Und wir fragen uns, ob das Bermuda-Dreieck seinen würdigen Nachfolger
hier gefunden hat - oder ob nur jemand auch mit Kragenweite 41 ein zwar ungebügeltes und eisekaltes, aber frisch gewaschenes Hemd gebrauchen konnte?

Aufgelesen von Ulrich um 10:03
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11.12.02
Genuss-Leser. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden: Gustav Volkenborn ist der Mann, der sich alle wesentlichen Restaurant-Führer kauft und aus den Informationen einen Querschnitt zieht - und das für Deutschland wie für Frankreich. Nun hat er seine Seite total überarbeitet und auch optisch aufgemöbelt, so dass man sich vor einer Reise wunderbar informieren kann. Die Datenbank kann für Deutschland bis auf Städte- bzw.Landkreisebene abgefragt werden. Wer in Geo nicht fit ist, kann aber auch die Besten der Republik oder des betreffenden Bundeslandes abfragen. Links und auch die traditionellen Informationen (Straße, Telefon, etc) zu den Restaurants erscheinen im Info-Kasten, ebenso Anmerkungen mit Erkenntnissen, die nach der jeweiligen Buchpublikation eintreffen. Wie gesagt: Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden...

Aufgelesen von Ulrich um 18:49
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Neuer Elchtest. Schnäppchen zu Weihnachten gefällig? Voila - der Elktåuer. Meint Andrea - und ich feix mir einen (weil bei mir noch nie ein IKEA-Teil auf Anhieb richtig passte)...

Aufgelesen von Ulrich um 17:28
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Und, was gibt's sonst Neues? Manchmal, aber nur manchmal, möchte ich an der Wissenschaft verzweifeln. Nämlich immer dann, wenn offensichtlich Offfensichtliches heraus kommt. "Hilfe gegen Höhenkrankheit" verheißt Wissenschaft Online - und heraus kommen Banalitäten: "Wer zur Höhenkrankheit neigt, sollte langsam aufsteigen und sich vorher im Gebirge akklimatisieren, dies ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Universitätsklinikums Heidelberg. Unerheblich sind dagegen bei bergtüchtigen Personen das Alter, Geschlecht und die Fitness. Auch allgemein gesundheitsschädigende Faktoren wie Übergewicht, Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum beeinflussen die Entstehung der Höhenkrankheit nicht wesentlich, obwohl sie die Leistungsfähigkeit am Berg beinträchtigen können." Klar: Besoffen biste am Berg genau so matschig wie im Tal. Dafür muss man doch nicht jahrelang forschen!?!

Aufgelesen von Ulrich um 08:41
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10.12.02
Überall ist PISAland... Gestern in Dresden im Carousel, wo Stefan Hermann die (wohl verdiente) Auszeichnung "Aufsteiger des Jahres" vom Feinschmecker erhielt - die Leser(innen) hatten ihn dazu gewählt. Wir gratulieren und verraten irgendwann auch einmal, was es so alles gab. Heute nur ein Gesprächsausschnitt: "Dresden liegt ja viel südlicher als die Champagne!" - "Nein: Es liegt nördlicher!" Aus diesem kurzen Zweiergesprächsfetzen entwickelte sich ein zwanzigminütiger Diskurs über die Lage im Allgemeinen und im Besonderen - die geografische Lage, natürlich. Eine vom freundlichen Service herbei gebrachte Karte löste unser Problem. Doch wen bitten die Amerikaner, die vielleicht demnächst von Präsident Bush in den Krieg geschickt werden, um Nachhilfe? DIe meisten haben nämlich keine Ahnung, wo die "Achse des Bösen" zu suchen ist. Schreibt der Spiegel (und der muss es ja wissen...)

Aufgelesen von Ulrich um 19:49
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9.12.02
So spannend kann Wissenschaft sein! Auf eine wunderbare Website macht uns das Kellerkind Bogenallee 11 aufmerksam: Unter dem schönen Titel "Essen und Trinken in der Frühen Neuzeit" haben Teilnehmer(inne)n des Hauptseminars "Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in der Frühen Neuzeit" an der TU Dresden eine vorbildliche Umsetzung wissenschaftlicher Arbeit geleistet. So spannend kann Wissenschaft sein!

Aufgelesen von Ulrich um 15:32
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Aufmacher. "Tucholsky war brillant, er war ein Prophet, wenn er hellsichtig das bevor stehende Unglück eines Vaterlands beschrieb, das sich bald daran machen würde, seine Bücher zu verbrennen. Reichten aber solche Eigenschaften aus, um das Vorbild zu werden für künftige Journalisten-Generationen? Wurde er das, weil er gut schreiben konnte, weil ihm so viel einfiel? Es ist komplizierter: Manchmal muss man Leute vor allem dafür preisen, mit wie viel Sorgfalt sie ihre Talente verwalten." Schreibt Herbert Riehl-Heise, einer der besten Edelfedern der Jetztzeit, in der neuen Serie "Aufmacher - Vorbilder des Journalismus" in der Süddeutschen Zeitung. Aus der Ankündigung in der Samstagsausgabe: "Wer der SZ-Serie folgt, wird entdecken, dass Journalismus terminologisch nicht zur Literatur geadelt werden muss, um „in den Rang höherer Insekten“ aufzusteigen."

Aufgelesen von Ulrich um 12:41
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Lichtspektakel-Nachtrag. Die Sächsische Zeitung berichtet über die Semperoper-Lichtshow und hat auch Bilder (Link im obigen Artikel). Nichts habe ich in der Online-Ausgabe der anderen Dresdner Zeitung gefunden habe. Ob es daran liegt, dass die SZ mit auf dem Sponsorenplakat stand und die DNN nicht? Dann wäre es eine Missachtung von geschätzt 50.000 Dresdnern!
[Update am Nachmittag] Habe mittlerweile die Print-Ausgabe der DNN gelesen: Da kommt das Spektakel mit einer Sonderseite ja doch ganz gut weg...

Aufgelesen von Ulrich um 11:31
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8.12.02
Bild am Sonntag. Blutorangenrot. Discostrahlergrell. Eisekaltblau. Die Semperoper im Mittelpunkt eines Lichtspektakels, das "Dresdner auf schöne Gedanken bringen" sollte, wie die Sächsische Zeitung vorab zu berichten wusste. Eine Millionen Euro, natürlich nur “etwa”, war Sponsoren das rund fünfzehnminütige Spektakel wert, das der Welt zeigen soll: Dresden leuchtet wieder. Und zwar mit so viel Strom, wie die Dresdner sonst in vier Tagen verbrauchen. Gert Hof als "Lichtkünstler" ließ zu Bachs "Toccata und Fuge in d-moll" eine üppige, aber keineswegs atemberaubende Show ab, und was das ZDF dann als "großes Feuerwerk" würdigte, war nicht mehr als die eine gezeigte Szene. Und die Ballons, die in Montagen vorab gezeigt wurden, haben wir auch nicht gesehen. Die Dresdner, die trotz eisiger Kälte zu Zehntausenden gekommen waren, kommentierten das Kurzereignis entsprechend zurückhaltend. Wer's verpasst hat, muss sich also nicht grämen und kann dennoch kommen – wir zeigen diese Stadt gerne!
Semperoper Lichtinstallation. Bild: UVS
Semperoper Lichtinstallation am 7. Dezember 2002. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 01:00
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