Was Familie Wolf so alles isst.Der Menschen fressende Wolf (canis lupus, wie der Lateiner sagt) gehört in das Reich der Fabeln, behauptet die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild und wählt ihn zum Tier des Jahres 2003. Wölfe gibt es hauptsächlich in Russland, aber auch in Sachsen und sonst nirgendwo in Deutschland. Das Rudel lebt und liebt in der Muskauer Heide auf einem Truppenübungsplatz [bitte den feinsinnigen Humor unserer Finanzbeamten beachten: das steht unter Immobilien!], wo es sich auch vom gelegentlichen Gefechtslärm nicht beeindrucken lässt.
Wenn der Wolf keine Menschen isst - wovon lebt er denn dann? Gerne von Schafen, aber unsere Lieblingszeitung behauptet, die gebe es in Sachsen nicht. Dafür holen sich die Wölfe Rehe, Schwarzwild, Damwild und vor allem Rotwild. Wenn die gerade aus sind, nötigenfalls auch Dachse, Füchse und Marderhunde oder Bisamratten sowie kleinere Säugetiere und Fische, Kriechtiere und selbst Obst und Früchte. Dann lesen wir noch, dass der Wolf den Rothirsch als Tier des Jahres ablöst. Wahrscheinlich hat er ihn gefressen.
Der feine Unterschied. Als am vergangenen Donnerstag die Dresden Werbung und Tourismus GmbH Wissenschaftler der TU Dresden einlud, um ihnen die Vorzüge der Stadt zu preisen, tat sie es in er Gläsernen Manufaktur von VW und beköstigte die rund 200 Gäste im Lesage - dem Restaurant, das wir eigentlich ganz gut finden. Hier durften wir den Unterschied zwischen a la carte und Catering eindrucksvoll mit erleben: Tatar von Tunfisch hatte uns im Mai in der Machart von Chefkoch Thorsten Bubolz mehr begeistert, und auch das Zweierlei der Vierländer Ente war irgendwie einerlei. Uninspiriert ist das Modewort für das, was wir erlebten - mal sehen, wie der Bubolz kocht, wenn das Thema nicht "Profession trifft Vison" lautet, sondern ganz normaler Alltag im Lesage ist.
Armes Dresden. Unser Lieblings-Weiterbildungsorgan für umfassenden Genuss hat uns heute zum Frühstück wieder einmal in Härte klar gemacht, dass es viele Orte in Deutschland gibt, wo man genussvoll leben kann. Dresden gehört nicht dazu. Dem aktuellen Heft lag ein Einkaufsführer mit 400 guten Adressen bei, vier davon (immerhin) auch zu Dresden. Aber was für welche: Drei Bäcker, von denen zwei ihres Stollens wegen gerühmt werden (und den wahren Meister verschwiegen: Bei uns gibt es nur selbst gemachten oder den von Bäckerei Grundmann. Das vierte genannte Geschäft ist ein zwar sehr hübscher, aber für einkaufswillige Dresdner nicht sehr genussvoller Käseladen: Während man den Einkauf für das Wochenende zu tätigen gewillt ist, kann durchaus Folgendes passieren: Ein Bus hält vor der Tür, dann noch einer, und hundert Leute stürmen herein, wollen Milch aus der Kanne ("aber gerne!”), Käse zum Sofortverzehr ("aber gerne!”), ein Foto machen ("Hören Sie sofort auf, Fotografieren ist hier verboten!”). Nein, das ist nicht gemütlich (preiswert übrigens auch nicht). Bis zur Flut haben wir unseren Käse immer bei Karstadt gekauft, die Lebensmittelabteilung war insgesamt sehr gut. Nun ist sie abgesoffen, soll aber (noch schöner, hört man) neu erstehen - im zweiten Haus der Kette, gleich gegenüber. Wenn das soweit ist, werden wir es testen und ggf. dem Feinschmecker empfehlen - denn auch Dresdner leben nicht nur vom Stollen!
PS: Nein, wir ziehen nicht um, auch wenn beispielsweise für München 21 Einträge – Metzger, Obst, Gemüse, Käse, Bäcker, Wild, Fisch, Kaffee – zu finden sind und für Hamburg gar 28.
Vorteil: Print. In der Wochenendbeilage der Printausgabe unserer Lieblingszeitung gibt es einen Beitrag "An Sie, unsere lieben Leserinnen". Da fühlt man(n) sich natürlich sofort angesprochen und freut sich, die Anzeige für das neue Yves-Saint-Laurent-Parfüm M7 zu erblicken. Das Motiv sei bislang nur in der französischen Ausgabe der Vogue erschienen, schreibt die Redaktion und beteuert, dass die (derzeit unter Anzeigenverlust leidende) deutsche Journaille "ersten derart frontal aufgenommenen nackten Mann in der Werbung" auch gerne mal "drücken, ähem, drucken" würde.
Das Internet nicht verstanden.Es ist unglaublich, wie viele Firmen immer noch nicht wissen, was sie vom Internet haben (könnten). Der Anlass für diese Geschichte ist eher ein trauriger - der gestrige Flugzeugabsturz in Luxemburg. Doch die Handlung spielt sozusagen neben der Absturzstelle...
Da wohnt und arbeitet in Dresden jemand, der in Luxemburg zu Hause ist und als eBusiness Consultant was von der Materie Internet versteht. Nach dem Unglück stellt er fest, dass die Seiten von RTL Luxemburg hoffnungslos überlastet sind (naja, eigentlich ist es der Server...) und bietet Hilfe an: Er spiegelt die Seiten bei sich, informiert den Webmaster und bittet um das OK.
Statt sich zu freuen, dass die Last Aufrufe nun verteilt ist, erfolgt eine schnelle Antwort: "We are not interested in any mirroring of our site. We ask you hereby to stop this procedure immediately!"
Verständnislos nimmt Martin Röll die gespiegelten Seiten wieder vom Netz - und schreibt auch darüber in seinem Weblog. Oh, das ist aber frech: prompt kommt Post aus Luxemburg: "This email was sent to YOU privately and is not intended to be put online!" Weil er keine Lust auf Streit hatte, nahm Martin auch diesen Text aus dem Netz.
Und was lernt uns das, wie mein alter Kumpel Michael es zu formulieren pflegte: Erstens haben sie nichts verstanden und zweitens erteilen sie privat dienstliche Anweisungen, die kein anderer versteht. Nur: wenn die Mail privat war, dann hätte der Text vielleicht gar nicht...
Rudolf Augstein ist tot.Mehr steht natürlich im Spiegel. Man muß Rudolf Augstein nicht gemocht haben, um anzuerkennen, daß er einer der einfußreichsten (und auch einer der wenigen) Leute war, die die damals junge BRD auf den Weg vom Obrigkeitsstaat zur Demokratie »geschubst« haben. Ich bin traurig.
[gelesen im Schockwellenreiter - und er hat Recht, wie (fast) immer]
In die Jahre gekommen (Forts.)Ist das schon eine Kampagne oder setzt sich nur die Wahrheit durch? Auf der Medienseite der gleichen Zeitung, die Marius Müler Westernhagen Stillstand vorwirft, endet ein Beitrag über Inge Meisel und die SKL-Show so: "Für zwei kurze Momente wehte dann doch noch ein Hauch Inge durch die Show. Einmal war es der Rockmusiker Jack Bruce, der ein bisschen so aussah, als trage er eine Meysel-Maske, und ein anderes Mal glaubte man, einen Ausschnitt aus Die Unverbesserlichen zu hören, just jene Szene, in der Inge Meysel so wunderbar klagend „Mutter“ seufzt.
Das war nur eine akustische Täuschung, denn auf der Bühne stand Marius Müller-Westernhagen. Immerhin der beste Beleg dafür, dass RTL auch Platz für ältere Menschen hat."
Dresdner waren schon immer so. Geahnt haben wir es schon immer, nun ist es auch erforscht: Die Dresdner haben ein besonders enges Verhältnis zu ihrer Stadt. Dresdner im Sinne dieser Untersuchung (und auch der von uns unwissenschaftlich fetsgestellten Erfahrung) sind auch zugereiste Neu-Dresdner, die - irgendwann mal wieder aus Dresden verschwunden, weil das Jobkarussel es so wollte - meist zu Wochenenden zurück kommen, um zu schauen, ob noch alles in Ordnung sei... Das immer noch vorhandene Trauma der Zerstörung würde sich beispielsweise an der Sorge um das Stadtbild bemerkbar machen: "Die Dresdner wünschen sich das Alte zurück. Dresden soll wieder schön sein.“ Allerdings kann die Zerstörung von 1945 allein nicht daran Schuld sein, denn die Wissenschaftlerin fand heraus, dass fast alle heute genannten Punkte bereits Ende des 18. Jahrhunderts das Verständnis der Dresdner von ihrer Stadt prägten. Die Dresdner waren halt schon immer so - und werden es wohl auch bleiben...
[Info von Birgit (mündlich) und Martin (per Mail)]
Der Freitags-Tucho. Wer sich ein Bild von KurtTucholsky ansieht, der merkt ihm den Genussmenschen an. Schön, wenn man nicht allein ist. Schade, dass Tucho noch keine Magic Soup kannte - dann hätt er sicher drüber geschrieben. Aber der Traum von der großen Lange ist ja auch ganz nett: Ssälawih!
Ideal und Wirklichkeit
In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange das,
was du willst - und nachher kriegst dus nie . . .
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke -
C'est la vie -!
Sie muß sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig - und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt . . .
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke -
Ssälawih -!
Man möchte eine helle Pfeife kaufen
und kauft die dunkle - andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah . . . beinah . . .
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik . . . und nun ists die!
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke -
Ssälawih -!
Theobald Tiger, Die Weltbühne, 05.11.1929, Nr. 45, S. 710,
wieder in: Lerne Lachen. (c) Rowohlt Verlag]
Abnehmen mit Kohl. Die Tatsache, dass gutes und häufiges Essen zu einem Zuwachs führt, von dem Börsianer nur träumen können, beschäftigt mich schon seit einigen Jahren. Immer wenn mein Körper sich wie die Erde verhält (die, falls sich das noch nicht herum gesprochen haben sollte, ja auch einen Bauch bekommt, wie man im August lesen konnte), werde ich nachdenklich. Im Frühjahr führt dieses Nachdenken regelmäßig zu einer Fastenwoche - und nun ist es die Kohlsuppendiät, die dem Trend zum Barocken Einhalt gebieten soll.
In den Sommerferien hatte die ganze Family es schon einmal versucht – mit abschreckendem Ergebnis: Kopfschmerzen, Durchfall und eine Gewichtszunahme nach drei Tagen von bis zu einem Kilo führten zum Abbruch der Aktion.
Nun also ein zweiter Anlauf, wieder mit der Suppe, die mal Souper Soup heißt, mal als “Magic Soup” von Freund zu Freundin weiter gereicht wird und mal als Geheimnis der Kohlsuppe gepriesen wird. Wir haben nämlich, wie uns Freunde sagten, das alles zu verbissen gesehen. Jörg (fünf Kilo in einer Woche futsch) hatte beispielsweise abends auch mal ein Glas Wein getrunken – und schon sei es ihm wieder besser gegangen, sagte er.
Und siehe da: Locker geht’s besser (auch wenn statt Rotwein derzeit noch Yogi-Tee auf dem Plan steht).
Das Suppenrezept der Wahl haben wir nicht von Lillie, sondern von Eckart Witzigmann. Wie, Witzigmann? Macht der jetzt auch in Souper-Soup? Naja, für Geld machen die Herren Superköche vielleicht nicht alles, aber viel. Und es schmeckt erstaunlich gut (zumindest am ersten Tag - mal sehen, wie es am Ende der auf sieben Tage angelegten Abspeckmaßnahme aussieht).
Winterzeit.Zweimal im Jahr ticken die Uhren nicht richtig - und ich verstehe nie, was sich denn nun wirklich ändert. OK: Ab heute ist Winterzeit, da müssen nach dem Aufwachen die Uhren eine Stunde - ja was denn?
“Zurück gestellt werden!” sagt BS, die als Frau natürlich alles verstanden hat und überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum ich mich zwei Mal im Jahr so anstelle.
Gut, sage ich, zurück, und stelle fest, dass diese überall herum stehenden Bad-, Küchen- und Schlafzimmerradiowecker immer nur positiv denkend vorwärts denken und also nicht eine Stunde zurück, sondern 23 Stunden vor gestellt werden wollen. Nur mein Schreibtischsony musste ich nicht umstellen - da habe ich die Gebrauchsanweisung schon lange verschlampert und im Frühling, als es Sommerzeit wurde, die Uhr einfach auf Winterzeit stehen lassen. Und siehe da: Seit heute geht sie wieder richtig.
Mein eigentliches Problem aber ist nicht dieses mechanische Umstellen der Uhr, sondern die Antwort auf die Frage: Was bedeutet die Umstellung auf die Winterzeit für mich?
“Es ist abends früher dunkel!” sagt BS, aber dafür sei es morgens früher hell. Hmm, ja, schön oder egal oder auch nicht: Aber ich stehe nicht früh auf, wenn es nicht unbedingt sein muss, und wenn ich ins Bett gehe, ist es sowieso dunkel, auch im Sommer und sogar in der Sommerzeit. Was ich eigentlich wissen wollte: Sind meine Lieblingssendungen "Zimmer frei" und "Die Harald Schmidt Show" nun früher oder später, so rein körperzeitmäßig gesehen?
“Ist doch ganz einfach!” sagt BS, was ich aus meiner Sicht für eine glatte Lüge halte. Wenn es einfach wäre, müsste ich doch nicht fragen, und überhaupt: seit wann belügt mich meine Frau? Sie wechselt die Tonart und greift erklärungsmäßig in die Intonationsschublade für Vierjährige, denen man (oder heißt es hier: frau?) mit Engelsgeduld auch immer alle Fragen beantwortet. Also: Du hast heute Morgen die Uhren eine Stunde zurück gestellt, also ist heute Abend Zimmer frei sozusagen eine Stunde später, aber eigentlich fängt es natürlich wie immer um 23 Uhr an!”
Das finde ich gemein, dass es später anfängt, obwohl es zur gleichen Zeit beginnt, aber zur Vorsicht lege ich mich nun erst mal ins Bett: Mittagsschlaf ist ja alles, was nach dem Mittag und vor dem Abend ist - da brauche ich keine Uhr.
Und morgen früh - wenn ich da zu spät komme... kann ich dann sagen, dass es an der Uhren-Umstellung liegt oder habe ich das alles falsch verstanden und die dümmste aller möglichen Ausreden produziert???
Muss ich mal BS fragen...
Bild am Sonntag. Drachen über Schloss Pillnitz, eine blaue Elbe mit hohem Wasser, die Bäume am Elbhang in Herbstfarben: So sah es gestern aus. Hochwasser beindruckt die Dresdner und die Elbe übrigens normalerweise nicht: Die Elbwiesen nehmen ‘ne Menge auf, so ist es gedacht. Im August war der Flusspegel allerding rund sechs Meter höher...
Schloss Pillnitz mit Drachen, 26.10.2002. Bild: UVS
Wohl wahr. Im Archiv von Sprüchen des Konfuzius fand ich diesen:
Meister Zeng sprach:
"An jedem Tag prüfe ich mich selbst dreifach:
- Habe ich mich heute bei den Dingen, die ich für andere erledige, aufrichtig verhalten?
- War ich heute im Umgang mit meinen Freunden vertrauenswürdig?
- Habe ich heute selbst praktiziert, was ich anderen predige?"
Dumm gelaufen. Unser LWL (Lieblings-WebLog) macht auf einen nettes Stück Realsatire aufmerksam. Vorsicht: Nicht mit voller Blase lesen - könnte knapp werden ...