Aufgelesen
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Anmerkungen zu Allem
9.12.02
So spannend kann Wissenschaft sein! Auf eine wunderbare Website macht uns das Kellerkind Bogenallee 11 aufmerksam: Unter dem schönen Titel "Essen und Trinken in der Frühen Neuzeit" haben Teilnehmer(inne)n des Hauptseminars "Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in der Frühen Neuzeit" an der TU Dresden eine vorbildliche Umsetzung wissenschaftlicher Arbeit geleistet. So spannend kann Wissenschaft sein!

Aufgelesen von Ulrich um 15:32
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Aufmacher. "Tucholsky war brillant, er war ein Prophet, wenn er hellsichtig das bevor stehende Unglück eines Vaterlands beschrieb, das sich bald daran machen würde, seine Bücher zu verbrennen. Reichten aber solche Eigenschaften aus, um das Vorbild zu werden für künftige Journalisten-Generationen? Wurde er das, weil er gut schreiben konnte, weil ihm so viel einfiel? Es ist komplizierter: Manchmal muss man Leute vor allem dafür preisen, mit wie viel Sorgfalt sie ihre Talente verwalten." Schreibt Herbert Riehl-Heise, einer der besten Edelfedern der Jetztzeit, in der neuen Serie "Aufmacher - Vorbilder des Journalismus" in der Süddeutschen Zeitung. Aus der Ankündigung in der Samstagsausgabe: "Wer der SZ-Serie folgt, wird entdecken, dass Journalismus terminologisch nicht zur Literatur geadelt werden muss, um „in den Rang höherer Insekten“ aufzusteigen."

Aufgelesen von Ulrich um 12:41
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Lichtspektakel-Nachtrag. Die Sächsische Zeitung berichtet über die Semperoper-Lichtshow und hat auch Bilder (Link im obigen Artikel). Nichts habe ich in der Online-Ausgabe der anderen Dresdner Zeitung gefunden habe. Ob es daran liegt, dass die SZ mit auf dem Sponsorenplakat stand und die DNN nicht? Dann wäre es eine Missachtung von geschätzt 50.000 Dresdnern!
[Update am Nachmittag] Habe mittlerweile die Print-Ausgabe der DNN gelesen: Da kommt das Spektakel mit einer Sonderseite ja doch ganz gut weg...

Aufgelesen von Ulrich um 11:31
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8.12.02
Bild am Sonntag. Blutorangenrot. Discostrahlergrell. Eisekaltblau. Die Semperoper im Mittelpunkt eines Lichtspektakels, das "Dresdner auf schöne Gedanken bringen" sollte, wie die Sächsische Zeitung vorab zu berichten wusste. Eine Millionen Euro, natürlich nur “etwa”, war Sponsoren das rund fünfzehnminütige Spektakel wert, das der Welt zeigen soll: Dresden leuchtet wieder. Und zwar mit so viel Strom, wie die Dresdner sonst in vier Tagen verbrauchen. Gert Hof als "Lichtkünstler" ließ zu Bachs "Toccata und Fuge in d-moll" eine üppige, aber keineswegs atemberaubende Show ab, und was das ZDF dann als "großes Feuerwerk" würdigte, war nicht mehr als die eine gezeigte Szene. Und die Ballons, die in Montagen vorab gezeigt wurden, haben wir auch nicht gesehen. Die Dresdner, die trotz eisiger Kälte zu Zehntausenden gekommen waren, kommentierten das Kurzereignis entsprechend zurückhaltend. Wer's verpasst hat, muss sich also nicht grämen und kann dennoch kommen – wir zeigen diese Stadt gerne!
Semperoper Lichtinstallation. Bild: UVS
Semperoper Lichtinstallation am 7. Dezember 2002. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 01:00
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7.12.02
Sport-Schau. Robbie Williams bei Thomas Gottschalk. Er verliert die Wette und soll die Ergebnisse der Bundesliga auf Deutsch vorlesen. Beinahe wäre das eine Pleite geworden, denn was ist an "Dortmund three, effzieh Kaiserslautern one" denn deutsch? Doch dann nannte er das Ergebnis des "FC Schlack", was zur Berichtigung führte: "Schalke!". Sei's drum, Robbie kann ja dazu lernen und verkündete das Ergebnis von "FC Scheiße"... (Dass Gottschalk statt "Balancierwette" dann später "Vampirwette" verstand, war auch nett. Aber kommt nur auf Platz zwei.)

Aufgelesen von Ulrich um 22:55
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Spaghetti of the week. Die vegetarische Variante einer Sauce Bolognese erhält ihr Hackfleisch-Feeling durch extrem kleinwürfelige Möhren. Zwei Millimeter Kantenlänge sind eine Herausforderung an Messer und Messerführer(in), lohnen aber den Aufwand. Ansonsten alles ganz easy: Wie immer Zwiebel und Knoblauch pellen und kleinwürfelig (Zwiebel) und in hauchdünne Scheiben (Kobi) schneiden. Möhren schälen und in besagte Miniwürfel schneiden (empfohlene Menge: Pro Person eine Möhre). Die anderen beiden Gemüse, die zum titelgebenden "Drei Gemüse" führen, sind gelbe Paprika und Zucchini. Bei Sauce für 4 Personen ist die Menge je eine - bei weniger Personen oder mehr bitte ideenreich selber variieren.
Alle genannten Bestandteile in dieser Reihenfolge in reichlich gutem Oivenöl unter ständigem Rühren anschwitzen lassen. Dann mit Oregano, Peperoni, Salz würzen und mit Tomatenmark röteln. Womit das in der regel doppelt konzentrierte Mark verdünnt wird, ist Geschmackssache: Puristisch mit Wasser schmeckt erstaunlich gut, schlömerisch mit Crème fraîche gibt der Sauce eine lachsrosa Färbung - oder verschwenderisch mit Rotwein für den gewissen Kick funktioniert auch (wobei ich bei der Rotwein-Variante empfehle, denselben vor dem Tomatenmark hinzuzufügen und einmal ordentlich durchzukochen, damit der Alc nicht so vorschmeckt).
Parmesan reiben - reichlich! Und servieren, und genießen. Und lecker!


Aufgelesen von Ulrich um 12:20
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Konservative Verleger. »Spiegel Online«-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron wundert sich, wieso die Tageszeitungen den Markt der überregionalen Online-Nachrichten so kleinmütig aufgegeben haben: „Der nahe liegende Betreiber einer wirklich guten Nachrichten-Site ist eigentlich eine überregionale Tageszeitung. Die haben einen Schatz von Geschichten. Wenn die das den Tag über geschickt mit aktuellen Nachrichten kombinieren würden – da könnten wir nur die Hände heben und sagen: Jungs, ihr seid besser. Das tun sie aber nicht, weil die deutschen Tageszeitungsverleger offenbar sehr konservativ sind.“ Mehr zum Thema im lesenswerten Beitrag "Zwischenzeit" von Robin Meyer-Lucht in der neuesten Ausgabe von brand eins.

Aufgelesen von Ulrich um 12:08
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6.12.02
Der Freitags-Tucho. Nein, wir sind unserer Zeit nicht voraus, wie denn auch? Gut, das Gedicht heißt Weihnachten - na und? Der Nikolaus kommt doch auch vor...

Weihnachten

Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack -
dir ein Päckchen - mir ein Pack.
Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,
Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung . . .
Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.
Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension . . .
Tante Lo, die, wie ihr wißt,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen. -
Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann:
Nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack
guten alten Kunstgeschmack.
Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen -
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht . . . ).
Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand -
Und das Land? Und das Land?
Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe -
          lieber Weihnachtsmann!

Theobald Tiger, Ulk, 28.12.1919, Nr. 52. (c) Rowohlt Verlag


Aufgelesen von Ulrich um 11:51
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Heute... hat unser vorherige Vermieter Hans Geburtstag - er wird 70! Den herzlichen Glückwunsch verbinde ich mit (schamloser, wie sonst?) Eigenwerbung für den Adventskalender der Stipvisiten: Das Bild von heute ist bei Hans und Eva im Wintergarten fotografiert. Heute Abend werden wir unter Dornröschen ein (ein?) Gläschen trinken...

Aufgelesen von Ulrich um 10:51
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Heute... ist natürlich Nikolaus, aber das weiß ja jeder. Aber kennt auch jeder den besonderen Service des Erzbistums Köln (Vorsicht: Giftgrüne Startseite, man kann farbenblind werden!)? Ein Booklet als PDF kann man sich kostenlos downloaden - und keine Angst: Es ist rein schwarzweiß gehalten...

Aufgelesen von Ulrich um 10:47
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5.12.02
Stimmt. "Der Spiegel wird von Leuten gelesen, die das Land regieren. Der stern von Leuten, die denken, sie regieren das Land. Die FAZ von Leuten, die meinen, sie sollten das Land regieren. Der Focus von Leuten, die meinen, sie sollten eigentlich das Land regieren - die FAZ aber nicht verstehen. Die SZ wird von Leuten gelesen, denen es nichts ausmachen würde, das Land zu regieren, wenn sie dafür nicht in die Hauptstadt gehen müssten. Den Bunte-Lesern ist es egal, wer das Land regiert, solange die Leute sich dabei daneben benehmen. Die Bild wird von Leuten gelesen, die sich nicht sicher sind, ob überhaupt jemand regiert. Und das Handelsblatt wird von Leuten gelesen, denen egal ist, wer unter ihnen regiert. Womit klar ist, dass die Bild-Leser nicht so ganz falsch liegen.
Hat Martin gefunden

Aufgelesen von Ulrich um 17:53
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4.12.02
Verliebte Girls. "Hallo, jemand der sich in dich verliebt hat aber sich nicht traut es dir persönlich zu sagen hat eine Foto Nachricht für dich hinterlassen."
Nachdem jahrelang dieses ein eher seltenes Phänomen war, bin ich jetzt sehr begehrt: Gestern und heute bislang zehn Mails obigen Inhalts bekommen! Doch die schüchternen Girls (ich hoffe wenigstens dies, verliebte Jungs mögen sich an andere wenden) wollen erst mal nur eins: "Solltest du unsere Livesoftware noch nicht installiert haben, kannst du das jetzt machen..."


Aufgelesen von Ulrich um 07:57
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2.12.02
Der kennt sich aus. "Heute gratulieren wir Detlef Eckert zum ersten Tag im neuen Job. 14 Jahre war er bei der EU-Kommission, zuletzt als Leiter der Grundsatzabteilung in der Generaldirektion „Informationsgesellschaft“. Und nun hat ihn die EU beurlaubt, um für Microsoft zu arbeiten." Ob es da einen Interessenkonflikt gibt?
Fragt sich nicht nur unsere
Lieblingszeitung.

Aufgelesen von Ulrich um 21:04
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1.12.02
Bild am Sonntag. Der Zwinger im Schnee - das ist ein Archivbild! Aber es passt natürlich zum ersten Advent, und es soll (Schleichwerbung, schamlose!) auf den Adventskalender aufmerksam machen, der nun 24 Tage auf den Seiten der STIPvisiten die Zeit bis zur Weihnacht verkürzt.
Zwinger im Schnee. Bild: UVS
Zwinger im Schnee. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 01:00
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29.11.02
Der Freitags-Tucho. Wir fahren heute nach Ladbergen ins Münsterland, wo der Verein zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden das nunmehr dritte Benefiz-Konzert im Advent mit Ludwig Güttler veranstaltet. Der Verein besteht hauptsächlich aus dem Gastwirt und seiner Agentur. Wer also im Münsterland ist: Ich mache den Einlass - wer ohne Karte kommt und "Heute schon Aufgelesen?" als Parole ausgibt, kommt dennoch rein! Tucholsky war übrigens nie in Ladbergen, hat aber dennoch was Passendes geschrieben...

Die Musik kommt

Nun zwängt, die sonst Musik die Töchter lehrte,
sich ins Schwarzseidene mit dem Krachkorsett;
und daß man Haydn, Bach und Koschat ehrte,
beweist man durch Gesang und am Spinett.

Nun schlagen wieder löwenmähnige Meister
mit ihren Pranken auf die Flügel ein,
und fiedelt jemand Violin, dann heißt er
Mischka und soll erst sieben Jahre sein.

Du siehst mich lächelnd an, Eleonore -
auch du, Geliebte, seist ein Singtalent?
Doch jach entfleucht durch meinem rechten Ohre,
was dein Sopran mir in das linke flennt.

Ach ja, der Herbst! Die Blätter werden gelber,
und jedes Mädchen kriegt ein hohes C,
und auch der Muhsikpädagoge selber
stund auf und tremolieretee . . .

Du Stadt der Lieder, bist du nicht verwundert?
So jedes Jahr hast du um den Advent
Musikkonzerte Stücker achtzehnhundert -
doch mit Gewinn: nur sechseinhalb Prozent.

Theobald Tiger, Die Schaubühne, 09.10.1913, Nr. 41, S. 981. (c) Rowohlt Verlag

Aufgelesen von Ulrich um 07:32
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28.11.02
Irrtümer haben ihren Wert, jedoch nur hie und da. Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika (Erich Kästner).
entlaufen?
Gefunden in der
Süddeutschen Zeitung von Birgit.

Aufgelesen von Ulrich um 20:41
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Das Grüne im Grauen. Heute ist Thanksgiving - in Amerika für Truthähne ein so trauriger Tag wie bei uns der Martinstag für die Gänse. Wieso die deutsche Truthahnzuchtindustrie Thanksgiving noch nicht auf die Liste einzuführender Feiertage gesetzt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, wahrscheinlich ist das nur noch eine Frage der Zeit. Wenn es so weit sein sollte, werde ich den Verein dagegen gründen und den letzten Donnerstag im November zum Tag des Grünen im Grauen erklären: Das ist, im traurigen Monat November, der Auftakt zur Grünkohlsaison, weil es erfahrungsgemäß in der Woche zuvor immer einmal friert. Rezepte für leckeren Grünkohl gibt es im Norddeutschen en masse – meins hat auch eine Geschichte:

Grünkohl ohne Pinkel
Als meine Altvorderen aus dem deutschen Ausland nach Ostfriesland kamen, wussten sie noch nicht, was ihnen da blüht. Vor allem eine Einladung zum Grünkohlessen, im Prinzip und angesichts der Lebensumstände in der Nachkriegszeit voller Dankbarkeit angenommen, ließ die Guten nachdenken: "Nu giv’t Kool met Pinkel!" hieß es. Das ließ die Einwanderer aus dem Morgenland erschauern, denn dass die Kultur hier so wenig hoch gehalten würde, das hätte man nicht gedacht. Mit Schaudern ging man von dannen.
Seitdem gibt’s bei uns immer Grünkohl ohne Pinkel, was auch für die Linie besser ist, denn die Pinkelwurst besteht fast nur aus fettem Speck und Hafergrütze...
Für die Zubereitung des Kohls braucht man einen sehr sehr großen Topf. In den kommt, auch wenn es ungesund klingt, Schmalz. Zum Schmalz gesellt sich eine zerschnittene große Zwiebel. Unter ständigem Rühren glasig dünsten und dann den zuvor zweimal in heißem Wasser gewaschenen Kohl hinzufügen. Im Topf wird der Kohl mit einem scharfen Messer klein geschnitten ("Amoklauf im Kochtopf").
Mit etwas Brühe aufgießen, damit nichts anbrennt (wir lassen ja sonst auch nichts anbrennen, oder?). Die Geschmackskomponente "würzig" erzielen wir einerseits durch eine leichte Gabe frisch gemahlenen Pfeffers und ggf. etwas Salz, aber hauptsächlich durch Beigabe von geräuchertem Bauchfleisch, luftgetrockneten oder frischen Mettendchen und Kassler. Unter den Kohl hieven und mitkochen lassen. Hafergrütze (gibt's im Reformhaus!) gehört auch hinein - sie bindet den Kohl, macht ihn sämig und bringt eine zusätzliche nussige Geschmackskomponente.
Etwa 30 Minuten köcheln, dann die Energie wegnehmen und den Inhalt des Topfes nachgaren lassen. Das Geheimnis des Kohls ist, frei nach Wilhelm Busch, dieses: ...wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt! Also: Kohl kühl werden lassen, wieder erwärmen, kühl werden lassen, wieder erwärmen - drei- bis vier Mal wär’ schon recht!
Servieren sollte man immer reichlich Grünkohl mit Salzkartoffeln und - für Kassler und die Würste - Senf und Meerrettich. Dazu trinkt man keineswegs nur Pils, sondern gerne auch einen Weißwein!

Aufgelesen von Ulrich um 18:19
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27.11.02
Schweres Puzzle. Im Stapel der täglichen Spam-Post aus dem Briefkasten befand sich eine Herausforderung. Ein Puzzle - aus vier Teilen!
Puzzle, vierteilig
Das ist ja schon eine an sich sehr, sehr schwere Aufgabe, müssen sich die Marketingmenschen des Absenders gedacht haben. Und weil sie mich nicht in tiefe Depression stürzen wollten, gaben sie freundlich eine Hilfestellung.
So puzzeln
Ich habe dann nur noch zehn Minuten gebraucht, um das Puzzle wirklich zu lösen und wollte es schon hoch erfreut auf den Weg bringen, um des Rätsels Lösung zu gewinnen, als ich das Anschreiben erstmals las. Meine Herrschaften, die müssen mich ja verwechselt haben!
Sofazapper
Gemütlicher Fernsehabend? Herumzappen? Sofa? Knabbern? Und Wein nur "vielleicht"? Nein, das bin ich nicht! Und deswegen brauch ich auch nicht die richtige Fernsehzeitschrift - weder Today noch überhaupt...


Aufgelesen von Ulrich um 17:44
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26.11.02
Mensa Mief for Men. Eine der schönsten Einrichtungen funktionierender Bürokratien ist die Frühstücksrunde. Die heutige brachte mir die Erkenntnis, dass zu Wendezeiten hier zu Lande alle Frauen sich plötzlich mit Chanell No. 5 eindieselten, weil das erstens bekannt gewesen sei als Begriff und zweitens prestigeträchtig und drittens plötzlich zu haben gewesen sei. Wobei meine Informantin diesen Geruch schlimm fand und ihn mit Mensa-Mief verglich, was die Wirkung anbelange. Nun suche ich einen Parfumhersteller, der diese Idee zum Geschäftserfolg ummünzt: Mensa Mief Men (MMM, Vertrieb nur übers WWW) und später dann aus der Schonkostabteilung Mensa Mief Woman.

Aufgelesen von Ulrich um 13:09
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Orwell war 1984. Und die DDR bis 1990. Doch in Berlin geht man munter mit alten Praktiken ins 21. Jahrhundert: In der Humboldt-Universität sind noch immer zwölf Überwachungskameras aus DDR-Zeiten in Betrieb. Fand ein Jurastudent heraus und schreibt jetzt unsere Lieblingszeitung. Angeblich würden die Kameras nicht zum Überwachen genutzt, sondern zeigten lediglich den Haustechnikern an, welcher Professor Probleme mit der Einstellung der Saalmikrofone habe. Doch die Hausmeister sind offensichtlich geschult pflichtbewusst und mahnen auch schon mal Professoren und Studenten an, das Kaffee-Trinken sein zu lassen...

Aufgelesen von Ulrich um 08:03
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25.11.02
Möllemann, 1985. Nein, es soll keiner sagen, er habe nichts gewusst. Eckhard Henscheid hat schon 1985 über den Spitzentelefoneur Möllemann geschrieben, mit netten Schlüsselsätzen wie "doch, klaro, ich zahle cash zurück - d.h. indirekt durch Leasing Business mit den Saudis!" Noch Fragen?

Aufgelesen von Ulrich um 19:49
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24.11.02
Bild am Sonntag. Schloss Wackerbarth ist ein Barocklandsitz mitten in den Lößnitzbergen bei Radebeul etwas elbabwärts von Dresden. Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth war selbst Baumeister und hat vermutlich die Pläne seines Alterswohnsitzes selbst entworfen - doch als Baumeister ist Johann Christoph Knöfel verantwortlich. Auf dem Gelände hat das Sächsische Staats-Weingut "Schloss Wackerbarth" seinen Sitz. Umgebaut ist es in den vergangenen zwei Jahren, was sich der Freistaat Sachsen etwa 15 Millionen Euro hat kosten lassen. Moderne Kellertechnik macht allerdings die Besucher nicht so an wie alte Statuen und romantische Blicke - doch auch die gibt's genug...
Auf Schloss Wackerbarth. Im Hintergund die Volkssternwarte Adolph Diesterweg. Bild: UVS
Auf Schloss Wackerbarth. Im Hintergund die Volkssternwarte Adolph Diesterweg. Aufgenommen am 24.11.2002, 15:05 Uhr Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 19:42
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23.11.02
Spaghetti of the week. Auf dem Wochenmarkt um die Ecke gibt es immer diese leckeren Champignons. Die müssen sich heute mit den Spaghetti vermählen und tun das für zwei Personen bemessen wie folgt:
300 g Champignons putzen (züchtig wie sie sind, ist da meist nicht viel zu machen) und vierteln (die kleinen) bzw. achteln (die großen). Zwei bis drei Schalotten schälen und in klitzekleine Würfel schneiden. Zwei bis drei Konoblauchzehen eifern den Schalotten nach: geschält, gewürfelt, aber ganz klitzeklein. Petersilie (lieber Blatt- als krause) klein schneiden - das heißt, der Fachmann sagt da ja wohl: wiegen. Aber ich weiß noch wie heute, dass ich als Kochanfänger einmal las: "Petersilie fein wiegen" und dann diesen peinlichen Anruf bei Muttern starten musste, weil ich wissen wollte, warum man die Petersilie auf 'ne Waage legen soll, bevor sie ins Gericht kommt. Sei's drum.
In einer Mischung aus allerbestem Olivenöl und etwas Butter werden nun Schalotten, Champis und Knoblauch in dieser Reihenfolge rührend erhitzt. Salz und Pfeffer (frisch aus der Mühle, wie sonst?) kommen hinzu, kurz vor dem Servieren auch noch die Petersilie - sonst nichts.
Die übliche Menge Spaghetti (bei uns: 100 g pro Person, anderswo mehr) sollten just zu diesem Zeitpunkt bissfest fertig sein.
Parmesan reiben - reichlich! Und servieren, und genießen. Und lecker!

Aufgelesen von Ulrich um 11:43
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Austern gab es gestern Abend beim Bundes-Presseball. Tausende, sagen sie in den Nachrichten. Bei uns gibt's heute wieder Spaghetti.

Aufgelesen von Ulrich um 09:05
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Laptop versengt wertvolle Teile. Unsere Lieblingszeitung vermeldet in der Print-Ausgabe unter Berufung auf dpa unter der von mir übernommenen Überschrift, dass ein 50jähriger Schwede mit den Parametern "Wissenschaftler, Vater von zwei Kindern" mit Brandblasen an Penis und Hoden in ein Krankenhaus eingeliefert worden sei. Als Ursache ermittelte der behandelnde und darüber schreibende Facharzt "eine etwa einstündige Heimarbeit zwei Tage zuvor mit dem tragbaren Computer direkt auf dem Schoß".
Da muss ich doch, nachdem ich gestern Abend zwei Stunden mit meinem tragbaren Apfel auf dem Schoß gearbeitet habe, nachschauen.



Nein, alles OK. Woran mag's also beim alten Schweden gelegen haben? Zwei Mutmaßungen: Erstens hatte ich zwischen Laptop und Verbrennungskandidaten doppelt Tuch in Form von Hosen. Und zweitens wissen wir ja, dass zwar nur fünf Prozent aller Computer-Nutzer einen Mac haben – aber eben die Top-Five, und die wissen sich zu schützen ;-)

Aufgelesen von Ulrich um 08:52
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22.11.02
Erste Stunden. Irgendwann ist es immer das erste Mal. Und danach? Wieder das erste Mal. Zumindest in Magdeburg, wo dem in ein Parkaus einfahrenden Autofahrer ein Schild signalisiert, dass "jede 1. Stunde" ein Euro Parkgebühren kosten. Fast so schön wie der Politiker- und Wirtschaftsbossdummschwatz von der "allerersten Priorität"...
Parkhaus in Magedeburg. Bild: UVS


Aufgelesen von Ulrich um 09:32
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Der Freitags-Tucho. Die Eindrücke der Leere, die nicht nur durch Otto von Guericke und dessen Überlegungen meinen Kopf beherrschen, führen stracks zu Überlegungen, die ein Berufener schon vorgedacht hat...

Zur soziologischen Psychologie der Löcher

Daß die wichtigsten Dinge durch
Röhren gethan werden. Beweise:
erstlich die Zeugungsglieder, die
Schreibfeder und unser Schießgewehr.
Lichtenberg


Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.
Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.
Wenn der Mensch 'Loch' hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels.
Das Loch ist der Grundpfeiler dieser Gesellschaftsordnung, und so ist sie auch. Die Arbeiter wohnen in einem finstern, stecken immer eins zurück, und wenn
sie aufmucken, zeigt man ihnen, wo der Zimmermann es gelassen hat, sie werden hineingesteckt, und zum Schluß überblicken sie die Reihe dieser Löcher und pfeifen auf dem letzten. In der Ackerstraße ist Geburt Fluch; warum sind diese Kinder auch grade aus diesem gekommen? Ein paar Löcher weiter, und das Assessorexamen wäre ihnen sicher gewesen.
Das Merkwürdigste an einem Loch ist der Rand. Er gehört noch zum Etwas, sieht aberbeständig in das Nichts, eine Grenzwache der Materie. Das Nichts hat keine Grenzwache: während den Molekülen am Rande eines Lochs schwindlig wird, weil sie in das Loch sehen, wird den Molekülen des Lochs . . . festlig? Dafür gibt es kein Wort. Denn unsre Sprache ist von den Etwas-Leuten gemacht; die Loch-Leute sprechen ihre eigne.
Das Loch ist statisch; Löcher auf Reisen gibt es nicht. Fast nicht.
Löcher, die sich vermählen, werden ein Eines, einer der sonderbarsten Vorgänge unter denen, die sich nicht denken lassen. Trenne die Scheidewand zwischen zwei Löchern: gehört dann der rechte Rand zum linken Loch? oder der linke zum rechten? oder jeder zu sich? oder beide zu beiden? Meine Sorgen möcht ich haben.
Wenn ein Loch zugestopft wird: wo bleibt es dann? Drückt es sich seitwärts in die Materie? oder läuft es zu einem andern Loch, um ihm sein Leid zu klagen - wo bleibt das zugestopfte Loch? Niemand weiß das: unser Wissen hat hier eines.
Wo ein Ding ist, kann kein andres sein. Wo schon ein Loch ist: kann da noch ein andres sein?
Und warum gibt es keine halben Löcher -?
Manche Gegenstände werden durch ein einziges Löchlein entwertet; weil an einer Stelle von ihnen etwas nicht ist, gilt nun das ganze übrige nichts mehr. Beispiele: ein Fahrschein, eine Jungfrau und ein Luftballon.
Das Ding an sich muß noch gesucht werden; das Loch ist schon an sich. Wer mit einem Bein im Loch stäke und mit dem andern bei uns: der allein wäre wahrhaft weise. Doch soll dies noch keinem gelungen sein. Größenwahnsinnige behaupten, das Loch sei etwas Negatives. Das ist nicht richtig: der Mensch ist ein Nicht-Loch, und das Loch ist das Primäre. Lochen Sie nicht; das Loch ist die einzige Vorahnung des Paradieses, die es hienieden gibt. Wenn Sie tot sind, werden Sie erst merken, was leben ist. Verzeihen Sie diesen Abschnitt; ich hatte nur zwischen dem vorigen Stück und dem nächsten ein Loch ausfüllen wollen.

Kaspar Hauser, Die Weltbühne, 17.03.1931, Nr. 11, S. 389 (c) Rowohlt Verlag


Aufgelesen von Ulrich um 07:44
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21.11.02
Alles bleibt wie es war. Im Osten nichts Neues: Stefan Hermann vom Restaurant „Caroussel“ im Hotel „Bülow Residenz“ in Dresden ist zum zweiten Mal in Folge Sachsens bester Koch. Sagt der Restaurantführer „Gault Millau“ und gab 17 von 20 möglichen (aber bislang nie erreichten) Punkten. „Der Feinschmecker“ hatte aus gutem Grund Hermann zum besten deutschen Nachwuchskoch gekürt. Mit den folgenden Plätzen (auf dem 2. mit 16 Punkten Mario Pattis vom Dresdner „Pattis“, dann mit 15 Punkten Vincent Clauss vom „Schloss Eckberg“ in Dresden) gehen wir noch mit, bei ebenfalls 15 Punkten für Henry Kreher aus dem „Pavillon“ Hartenstein und Uwe Tögel vom Schneeberger „Büttner“ haben wir ebenso Bauchschmerzen wie mit 14 Punkten für „Opera“ in Chemnitz, „Brasserie“ im Gewandhaus und Ristorante „Rossini“ in Dresden, „El Dorado“ in Gröditz. Die Leipziger „Allie´s American Grille“, „Am Wasserschloss, „Coffe Baum“, „Fürstenhof“, „Medici“ und „Michaelis“ in Leipzig haben wir lange nicht pürobiert, da enthalten wir uns. Und vergessen hat der Gault Millaut, wenn die uns vorliegende dpa-Meldung komplett ist, das unserer Meinung nach um Längen beste Restaurant im Chemnitz-Hartenstein-Schneeberger Raum: Drei Schwäne in Zwickau.

Aufgelesen von Ulrich um 22:47
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Die Leere. Heute in der geheimnisvollsten Geisterstadt der Republik gewesen. Mitten in der Stadt breite Vorzeigechausseen nach sozialistischer Parade-Manier, und kaum ein Mensch unterwegs - weder im Auto noch per pedes. Ob das eine Installation war und ich es nur nicht erkannt habe? Denn aus dieser Stadt kommt der Erfinder der Vakuumluftpumpe, und weil er dieses Jahr 400 Jahre alt geworden wäre, feiert man ihn mit einer Ausstellung. Titel: "Die Welt im leeren Raum".

Aufgelesen von Ulrich um 22:29
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19.11.02
Was man über Familie Wolf so alles liest. Völlig richtig: Der Menschen fressende Wolf gehört ins Reich der fabelhaften Märchen. Ich sage nur: Rotkäppchen - und denke ausnahmsweise einmal nicht an Sekt, sondern an – Ringelnatz! Und an die wunderbare Sammlung von Florian Diesch, aus der wir diese Version besonders empfehlen, weil Wölfe ja nur in Sachsen leben...

Aufgelesen von Ulrich um 13:04
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Was Familie Wolf so alles isst. Der Menschen fressende Wolf (canis lupus, wie der Lateiner sagt) gehört in das Reich der Fabeln, behauptet die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild und wählt ihn zum Tier des Jahres 2003. Wölfe gibt es hauptsächlich in Russland, aber auch in Sachsen und sonst nirgendwo in Deutschland. Das Rudel lebt und liebt in der Muskauer Heide auf einem Truppenübungsplatz [bitte den feinsinnigen Humor unserer Finanzbeamten beachten: das steht unter Immobilien!], wo es sich auch vom gelegentlichen Gefechtslärm nicht beeindrucken lässt.
Wenn der Wolf keine Menschen isst - wovon lebt er denn dann? Gerne von Schafen, aber unsere Lieblingszeitung behauptet, die gebe es in Sachsen nicht. Dafür holen sich die Wölfe Rehe, Schwarzwild, Damwild und vor allem Rotwild. Wenn die gerade aus sind, nötigenfalls auch Dachse, Füchse und Marderhunde oder Bisamratten sowie kleinere Säugetiere und Fische, Kriechtiere und selbst Obst und Früchte. Dann lesen wir noch, dass der Wolf den Rothirsch als Tier des Jahres ablöst. Wahrscheinlich hat er ihn gefressen.

Aufgelesen von Ulrich um 12:18
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18.11.02
Jeisa trägt ein kurzes Kleid mit Fransen aus Kristallsteinchen. Schreibt die Vogue zum Titel des neuen Heftes, das heute im Briefkatsen steckte (aber noch nicht im Internet zu sehen war: Das Inhaltsverzeichnis wird offensichtlich erst zum Kioskverkaufstag (Mittwoch) aktualisiert. Deswegen beschreibe ich mal, dass man von der 275 mm hefthohen Jeisa rund 190 mm Haare mit Kopf und nackter Schulter, 35 mm Ausschnitt und danach verschränkten Arm sieht. Dann hört das Heft auf, so dass wir gar nicht wissen, wie kurz das Kleid ist. Der sichtbare Hauch von Kleid ist allerdings von der Art wie ich noch nie im Büro eins gesehen habe. Aufregend.

Aufgelesen von Ulrich um 18:24
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Der feine Unterschied. Als am vergangenen Donnerstag die Dresden Werbung und Tourismus GmbH Wissenschaftler der TU Dresden einlud, um ihnen die Vorzüge der Stadt zu preisen, tat sie es in er Gläsernen Manufaktur von VW und beköstigte die rund 200 Gäste im Lesage - dem Restaurant, das wir eigentlich ganz gut finden. Hier durften wir den Unterschied zwischen a la carte und Catering eindrucksvoll mit erleben: Tatar von Tunfisch hatte uns im Mai in der Machart von Chefkoch Thorsten Bubolz mehr begeistert, und auch das Zweierlei der Vierländer Ente war irgendwie einerlei. Uninspiriert ist das Modewort für das, was wir erlebten - mal sehen, wie der Bubolz kocht, wenn das Thema nicht "Profession trifft Vison" lautet, sondern ganz normaler Alltag im Lesage ist.

Aufgelesen von Ulrich um 16:54
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17.11.02
Bild am Sonntag. Seltenheitswert hat diese Aufnahme in mehrfacher Hinsicht: Das Bild entstand am 10. August 2002 - dem Wochenende vor der verheerenden Flut. Aufgenommen wurde es vom Dach der Frauenkirche - die Reportage über diesen aufregenden Besuch muss noch geschrieben werden, denn in den darauf folgenden Tagen hatten wir unverhergesehen Anderes im Sinn. Mittlerweile ist Dresden wieder so trocken wie auf diesem Bild, das zwar rechts eine Elbe mit hohem Wasserstand zeigt, aber eben nur hoch, nicht bedrohlich. Man sieht ansonsten vorne links im Vordergrund das Verkehrsmuseum im Johanneum, dahinter Stallhof und Schloss mit Hausmannturm. Der Fürstenzug wirft leider wie immer einen Schatten auf sich selbst und das 102 Meter lange Porzellanbild – so ist das, wenn man Nordwände (hier die vom Langen Gang am Stallhof) verschönert. Hinter dem Fürstenzug die Hofkirche, die größte katholische Kirche Sachsens.
Dresden von der Frauenkirche elbabwärts gesehen, 10.8.2002. Bild: UVS
Dresden von der Frauenkirche elbabwärts gesehen, 10.8.2002. Bild: UVS

Aufgelesen von Ulrich um 12:07
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16.11.02
Spaghetti of the week. Wer Fleisch mag, wird eine Sauce Bolognese nicht vom Nudelteller schubsen. Schon die traditionelle Machart schmeckt – aber was spricht gegen eine feine Variante? Genau: Nichts!
Für einen Vierertisch müssen drei Zwiebeln und zwei Knoblauchzehen (unter der Woche) oder vier Knoblauchzehen (am Wochenende) ihre Schalen lassen. Anschließend kommt das scharfe Messer ran: Dünne Scheiben aus dem Knoblauch (nein, bei uns kommen sie nicht durch die Presse – wir haben Pressefreiheit!) und kleine Würfel aus den Zwiebeln schneiden.
In bestem jungfräulichen toscanischen Olivenöl werden Zwiebeln und Knoblauch angedünstet. 250 g Gehacktes (bevorzugt: halb und halb) hinzugeben und unter ständigem Rühren mit dem Holzlöffel (Holz hilft beim Emulgieren des Öls!) anbruzzeln.
Eine große oder zwei mittlere Möhren (Wurzeln, rot) mit dem Sparschäler rundum cleanen und in kleine Würfel geschnitten zur bisherigen Bolognesegrundlage geben. Rühren – wie immer. Wenn’s brenzlig wird, löschen: Mit etwa 0,2 l passierten Tomaten. Wenn noch Zeit ist, schon jetzt das Geheimnis der Sauce hinzu geben: Ingwer. Und zwar ein etwa drei mal drei Zentimeter großes Stück, in hauchdünne Streifen oder die allseits beliebten Würfel mit 5 mm Kantenlänge geschnitten. Sollten die passierten Tomaten schon im Topf sein, folgt der Ingwer eben dann: Es geht so oder so.
Nun die Gewürzmelange. Es gibt eine recht würzige Fertigmischung “All’ Arrabbiata”: Davon reichlich. Und reichlich Oregano, wenn’s beliebt. Und sollte es die Gewürzmischung nicht geben, dann bitte selber mischen: Peperoni liefert die Schärfe, Kräuter der Provence die Würze. Auf jeden Fall müssen Kräutermischer und Kräutermischungskäufer dann noch ein wenig Selleriesalz und weißen Pfeffer hinzu fügen. Und dann? Rühren!
Die Farbe der Sauce ist noch zu unentschieden, die Sauce zu dünn. Wie praktisch ist da ein Doppelpack doppelt konzentriertes Tomatenmark! Es färbt natürlich rot, es dickt sympathisch und gibt Geschmack vom Intensivsten.
So. Fertig. Fertig? Nein, denn auf kleiner Flamme muss die Sauce noch mindestens dreißig Minuten köcheln, besser sogar eine Stunde: Die Geschmäcker vermischen sich aufs Allerfeinste, und das ist auch gut so.
Abgesehen davon, dass diese Sauce auch so schmeckt, kann man dazu Nudeln kochen. Wir nehmen pro Person 100 g Spaghetti, andere mehr: So viel Freiheit muss sein, das selbst zu entscheiden.
Und dann:
Parmesan reiben - reichlich! Und servieren, und genießen. Und lecker!


Aufgelesen von Ulrich um 19:06
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Typisch Dresden. Man muss diese Stadt schon sehr lieben, um sie zu verstehen. Da tönen einerseits in vollkommener Missachtung aller Welt drumherum die Offiziellen: Dresden wird die Weihnachtshauptstadt schlechthin. Also wenigstens die Deutschlands, vielleicht sogar Europas, und dann sowieso der ganzen Welt. Andererseits steht den Händlern des traditionellen Stiezelmarktes der Sinn gerade nach Streik. jawohl: Streik. Sie wollen am liebsten den Eröffnungstag die Buden zu halten, schrieben neulich die Dresdner Neueste Nachrichten. Ei verbibbsch, wie das? Naja, bislang wird der Markt vom städtischen Marktamt veranstaltet, in Zukunft soll die Dresden Werbung und Tourismus GmbH das machen. Ich habe nicht so ganz verstanden, was sich für die Beschicker des Striezelmarktes ändert? Aber vielleicht bedeutet das ja, dass nun neu geschmiert werden muss, damit man in die Auswahl kommt - weiß ich nicht, aber warum klammern sie sich sonst so an den alten Betreibern fest? 233 von 430 Bewerbern in diesem Jahr bekamen nur einen Stand, da lohnt sich ein wenig Geneigtheit sicher.
Offiziell eröffnet (ich gehe mal davon aus: Ohne Streik) wird der 568. Striezelmarkt am 25. November, dann ist jeweils von Sonntag bis zum Donnerstag von 10 bis 20 Uhr und am Freitag und Samstag von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Am 24. Dezember 2002 gibt es von 10 bis 14 Uhr noch eine Möglichkeit zum Besuch: So viel Striezelmarkt gab es noch nie - auch eine Flutfolge, denn man will den Händlern mehr Umsatz gönnen (den sie in der tat nötig haben).
Der Striezelmarkt ist zwar alt, aber auch sehr voll: Busseweise werden Touris aus der ganzen Republik angekarrt, für die Wochenenden haben wir uns deswegen Innenstadtverbot auferlegt. und an den anderen Tagen ist das Stallhöfische Adventsspektakel im Stallhof am Schloss (28.11.-22.12.) sowieso romantischer...


Aufgelesen von Ulrich um 19:05
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15.11.02
Der Freitags-Tucho. Wer vor wenigen Wochen die SPD gewählt hat, weil er sie für das geringere Übel hielt, kommt derzeit aus dem Wundern nicht heraus. Es gibt nur zwei Dinge, die trösten: Die Vorstellung, dass es anders auch nicht besser geworden wäre - und dass das, was wir erleben, alles schon mal dagewesen ist.

Der Staatshaushalt

Das Gehalt eines Lokomotivführers ist nicht groß - der Staat vertröstet den Mann mit der 'Pension', die ihm seinen Lebensabend schon versüßen werde. Diese
Pension ist meist gering.
Wohlhabende Männer aber, die als Minister ein Gastspiel in der Politik geben, das sich hinterher meist als recht rentabel erweist, bekommen folgende Pensionen:
Dr. Georg Michaelis, jener Reichskanzler, der im Jahre 1917 seine vollendete Unfähigkeit erwies: 27600 Mark jährlich.
Dr. Wilhelm Cuno, der als Beamter die Entschädigungsverhandlungen mit den großen Schiffahrtsgesellschaften zu führen hatte und der dann - wie der Zufall spielt! - der Direktor einer solchen Gesellschaft wurde; als Reichskanzler für die Inflation deshalb nicht verantwortlich, weil man ihn für nichts verantwortlich machen kann: etwa 19000 Mark.
Gottlieb von Jagow; ganz recht, jener, der die Neugierigen warnte und später einen Hochverratsversuch machte: etwa 24000 Mark;
Dr. Lewald, ein früherer Staatssekretär von großen, hierorts nicht bekannten Verdiensten: etwa 17000 Mark;
von Tirpitz; der Alte im Barte; der Mann, der den Reichstag jahrelang hintergangen hat, um den Bau einer Flotte durchzudrücken, die im Kriege nichts genützt und nichts geschafft hat - also überflüssig gewesen ist: rund 25000 Mark. (Ihrem lieben Tirpitz: die dankbare Republik.)
Nun darf man bei Betrachtung solcher Ziffern nicht vergessen:
Dieser Staat, der solche wahnwitzigen Summen - über 23 Millionen - jährlich auszahlt, ist schwer verschuldet; stand bereits einmal vor dem Nichts, belastet seine arbeitenden Steuerzahler schwer, um diese da zu mästen.
Freilich: auch diese Pensionisten arbeiten fleißig. Ein großer Teil dieser Männer ist noch recht rüstig; hat gut bezahlte Stellungen in der Industrie, die sich niemals mit ihnen befaßte, hätten sie nicht den Titel - so daß also die frühere Staatsstellung sich schon auf diesem Wege bezahlt macht: die Republik zahlt immer weiter. Sie zahlt:
den früheren deutschen Kriegsministern nach ihrer verderblichen und dem Lande schädlichen Tätigkeit noch heute pro Mann und Nase: 25000 Mark;
sie zahlt Herrn Gustav Bauer: 11000 Mark;
sie zahlt Herrn Hermes (Mosel): 11000 Mark;
sie zahlt Herrn Emminger, der die deutschen Schwurgerichte vernichtet hat: 19000 Mark;
sie zahlt - sie zahlt - sie zahlt - und sie wird immer weiter zahlen, weil sich die Bezahlten ihre Gesetze selber machen; weil die Arbeiter und die Angestellten nicht wissen, was mit ihnen getrieben wird, und weil der Staat im Leben der Heutigen das darstellt, was die Religion im Leben der Urgroßeltern gewesen ist: eine dunkle, mysteriöse, aber auf alle Fälle anzubetende Sache.

Kurt Tucholsky. Aus: Deutschland, Deutschland. 1929. (c) Rowohlt Verlag


Aufgelesen von Ulrich um 10:58
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13.11.02
Wozu sind Katastrophen da? "Die Flut entlang der Elbe zerstörte im vergangenen Sommer Menschenleben, Gebäude, Straßen und Existenzen. Doch sie war auch Anlass für ein überwältigendes Netzwerk der Hilfe. Jetzt arbeiten die Beteiligten daran, dass es nicht mit dem Wasser verschwindet."
[Peter Lau in
brand eins, dem immer wieder lesenswerten Magazin]

Aufgelesen von Ulrich um 19:39
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Und - was gibt's sonst Neues? Wissenschaftler vom Institute of Preventive Medicine in Kopenhagen haben in den siebziger Jahren 1709 Menschen bezüglich ihres Trinkverhaltens befragt und 15 Jahre später auf ihre kognitiven Fähigkeiten hin untersucht. Menschen, die gelegentlich Wein tranken, waren demnach weniger anfällig, eine Demenz wie die Alzheimer'sche Erkrankung zu entwickeln. Die Forscher vermuten, dass die im Wein vorhandenen Flavonoide für die schützende Wirkung verantwortlich sind, vermeldet wissenschaft online unter Bezug auf Neurology 59: 1313-1319 (2002).

Aufgelesen von Ulrich um 08:39
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12.11.02
Rückwärts, und schnell vergessen! Es war einmal eine arme Stadt, die hat in diesen schweren Zeiten – und, liebe Leserinnen und Leser, ich weiß wovon ich schreibe, wenn ich diese Zeiten schwer nenne, denn sie sind auch an mir, einem von der Flut nicht direkt Betroffenen, aber in dritter Linie doch von ihr, weil die Kunden zum Teil direkt abgesoffen sind oder wenigstens früher von Leuten gelebt haben, die es dann im August waren und denen es deswegen nicht mehr so gut geht, abhängig bin oder genauer: gewesen bin, sozusagen Mitgenommenen, nicht vorüber gegangen - in diesen wie gesagt schweren Zeiten hat die Stadt Dresden mit dem Oberbürgermeisterdarsteller Ideen, die einem den kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Nein, hier geht es nicht um Schließung von Kindergartenplätzen, auch nicht um Kürzungen im Kulturbereich - es geht vielmehr um das Wohl der Anwohner, die sich schämen müssen - ja: schämen müssen - in Straßen zu leben, die nach Leuten wie Bertolt Brecht benannt sind oder in der Rudolf-Leonhard-Straße. Brecht dürfte bekannt sein: Ein notorischer Linker, genau. Und Leonhard in Nichts besser, ich meine: umfeldmäßig, denn auf Basis des Geschriebenen wollen wir die Beiden nicht vergleichen. Aber der Leonhard Rudolf war ein Anhänger Liebknechts, entnehme ich der Zeitung, und soll in der Weltbühne publiziert haben. Die war ja ganz schlimm, da haben ja auch Siegfried Jacobsohn und Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky gearbeitet, also mit rechten Dingen kann es da nicht zugegangen sein. Und der Weltbühne-Nachfolger, den die DDR sich leistete, hatte sein Büro sogar in der Karl-Liebknecht-Straße! Überhaupt Liebknecht! Und Karl Marx! Die braucht doch eine Stadt wie Dresden nicht zu verewigen! Also: Weg mit den Namen aus der Stadt und die Straßen umbenannt! Unverdächtige Personen wie der preußische General Finck oder der Herr von Carlowitz beziehungsweise so wesenstypische Bezeichnungen wie “Breiter Weg” oder “Flughafenstraße” sollen nach dem Willen der CDU die alten Namen ersetzen. “Politische Beweggründe”, schreibt die Zeitung, “weist die CDU von sich.” Ihr Sprecher Jürgen Eckhold hat übrigens schon von der ersten städtischen Säuberungswelle profitiert und gibt an froh zu sein, nicht mehr am Otto-Grotewohl-Platz leben und sich für seine Adresse schämen zu müssen.

Aufgelesen von Ulrich um 14:12
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11.11.02
Armes Dresden. Unser Lieblings-Weiterbildungsorgan für umfassenden Genuss hat uns heute zum Frühstück wieder einmal in Härte klar gemacht, dass es viele Orte in Deutschland gibt, wo man genussvoll leben kann. Dresden gehört nicht dazu. Dem aktuellen Heft lag ein Einkaufsführer mit 400 guten Adressen bei, vier davon (immerhin) auch zu Dresden. Aber was für welche: Drei Bäcker, von denen zwei ihres Stollens wegen gerühmt werden (und den wahren Meister verschwiegen: Bei uns gibt es nur selbst gemachten oder den von Bäckerei Grundmann. Das vierte genannte Geschäft ist ein zwar sehr hübscher, aber für einkaufswillige Dresdner nicht sehr genussvoller Käseladen: Während man den Einkauf für das Wochenende zu tätigen gewillt ist, kann durchaus Folgendes passieren: Ein Bus hält vor der Tür, dann noch einer, und hundert Leute stürmen herein, wollen Milch aus der Kanne ("aber gerne!”), Käse zum Sofortverzehr ("aber gerne!”), ein Foto machen ("Hören Sie sofort auf, Fotografieren ist hier verboten!”). Nein, das ist nicht gemütlich (preiswert übrigens auch nicht). Bis zur Flut haben wir unseren Käse immer bei Karstadt gekauft, die Lebensmittelabteilung war insgesamt sehr gut. Nun ist sie abgesoffen, soll aber (noch schöner, hört man) neu erstehen - im zweiten Haus der Kette, gleich gegenüber. Wenn das soweit ist, werden wir es testen und ggf. dem Feinschmecker empfehlen - denn auch Dresdner leben nicht nur vom Stollen!
PS: Nein, wir ziehen nicht um, auch wenn beispielsweise für München 21 Einträge – Metzger, Obst, Gemüse, Käse, Bäcker, Wild, Fisch, Kaffee – zu finden sind und für Hamburg gar 28.

Aufgelesen von Ulrich um 13:31
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